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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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ZUM STELLENWERT EINER GEGENWARTSBEZOGENEN BRAUCHFORSCHUNG

2. Erneuertes Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum

In seinem populären Buch über das lebendige Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum schreibt Otto Swobodaüber das„ Wilde Gjaid", das am zweiten Donnerstag im Advent im südlichen Umkreisder Stadt Salzburg erscheint:„ Wilde Perchtenjagden zur Zeit der winterlichen Sonnen-wende waren früher in den ganzen Ostalpen weit verbreitet. Als ihre Vorläufer sind un-schwer die analogen Aufzüge der Kelten, die Saturnalien der Römer sowie die Umzügeder Bockssänger des Dionysios bei den alten Griechen zu erkennen. Die Wilde Jagdim Salzburger Vorland, die seit 1880' geruht' hatte, ist 1949, genau nach überliefertenFormen neu ins Leben gerufen worden" 24. Es mag auch der Initiator dieses Brauches,der ehemalige Leiter der Salzburger Heimatpflege, Kuno Brandauer, überzeugt gewesensein, mit der Neueinführung dieses Brauches, dessen Kenntnis ihm sein Vater über-mittelte, im Sinne der Kontinuität einen„ echten" Brauch geschaffen zu haben.25 Formund Ablauf lehnen sich an das überlieferte Beispiel an. Das ist aber schon alles, dennan Stelle der Bauernburschen führen nun Mitglieder der Brauchtumsgruppe Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumsgruppe„ Jung Al-penland" den Brauch auf, im Gegensatz zu den einfachen Masken aus Sackleinen oderden beruẞten Gesichtern verwendet man nun groteske Masken, die Werner Dürnbergerdafür kreierte. Die ehemaligen Anklöckler erhalten zudem eine mythologische Um-wandlung zum„ Wilden Gjaid“, bei dem es nur mehr 12 Mitwirkende geben darf.

Einer gegenwartsbezogenen Brauchforschung kann es nun nicht darum gehen,diese folkloristische Erscheinung gut oder schlecht zu heißen, sondern sie hat sich zubemühen, eine genaue Analyse von diesem Phänomen zu liefern. Vor allem gilt es,den ideologischen Unterbau dieses nun schon seit 35 Jahren in der pfleglichen Obhutder Dienststelle für Heimatpflege existierenden Brauches darzulegen, wofür die Per-sönlichkeit Kuno Brandauers den Schlüssel bietet.26

Eine ähnliche Aufgabe stellt sich beim„ Thomasniglo“ von Gams im Salzatal,dem Karl Haiding in der Festschrift für Franz Lipp² eine wissenschaftliche Abhand-lung widmete. Dieser Brauch, der bis 1927 in Übung war und sich bis jetzt nicht weiterals bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts lückenlos zurückverfolgen läßt, verdanktseine Erneuerung Anfang der 70er Jahre dem Bemühen von Herrn Dr. S. Moser unddem Ehepaar Edlinger.28„ Während in früheren Zeiten nur die Häuser der Oberen Gamsaufgesucht wurden", schreibt Karl Haiding,„ erstreckt sich das Thomas- Niglo- Laufenjetzt über den Großteil der Gemeinde. Um die weiten Entfernungen bewältigen zu kön-

24 Swoboda, Otto: Lebendiges Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum. Salzburg 1970, S. 112-115.25 Brandauer, Kuno: Über die volkskundlichen Grundlagen der Erneuerung historischer salzburgischerBrauchtänze. In: Der fröhliche Kreis, Graz 1972, 23 Jg., H. 1, S. 16 ff; Brandauer, Kuno: Das Wilde- Jagd-Laufen. Gedanken um eine„ Wiederbelebung". In: Salzburger Volksbildung, F. 20, Salzburg 1964, S. 66-68.26 Vgl. dazu den Nachruf und das sorgfältig zusammengestellte Schriftenverzeichnis im Anmerkungsteil vonMichael Martischnig. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 120. u. 121. Vereinsjahr,1980/1981, S. 729-739.

27 Haiding, Karl: Mittwinterbräuche im Gebiet der Eisenwurzen. Ein Beitrag zur Berchtenforschung. In: Beitl,Klaus, Franz Grieshofer( Hg.): Volkskultur. Mensch und Sachwelt. Festschrift für Franz C. Lipp(= Sonder-schriften des Vereins für Volkskunde in Wien, Bd. 3). Wien 1978, S. 155-168.

28 Lumpe, Heinz: Der Thomasniglo von Gams. In: Da schau her, Liezen 1981, 2. Jg., H. 1, S. 16.

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