Druckschrift 
Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

GESELLSCHAFT, SOZIALES LEBEN

Üb' Aug und Hand fürs VaterlandÜber das Schützenwesen im Land Salzburg

Das Schützenwesen ist eine europäische Erscheinung. Es ist ein markanter Teilunserer bürgerlich- städtischen Kultur, also eine jener Gemeinsamkeiten, eine jenergeistigen Klammern, die unsere europäische Kultur prägen und bestimmen.

Das Wesen der Schützengesellschaften

Die Rede ist hier nicht von den bürgerlichen Aufgeboten oder von der Miliz, dieihre Waffen in den städtischen Zeughäusern verwahrte, die Rede ist hier nicht vonStandschützen(= freiwilligen Schützen in der Landwehr), von Schützenkompanienoder Schützengarden( Bürgergarden), die militärisch beziehungsweise paramilitärischorganisiert sind, die einer militärischen Hierarchie( Major, Hauptmann, usw.) unter-stehen und einem militärischen Drill( Exerzierreglement) unterliegen. Die Rede ist hiervon sogenannten Schützengesellschaften, von Schützengilden oder-bruderschaftenbeziehungsweise von Schützenvereinen, als welche sich die Schützengesellschaftenim 19. Jahrhundert konstituieren. Ich betone das so nachdrücklich, weil der Begriff,, Schütze" mehrdeutig ist und den Wildschützen ebenso einschließt wie den Stand-schützen oder das Mitglied einer Schützenkompanie. Mein Interesse gilt jedoch spezi-ell den Schützengesellschaften oder-vereinen, deren Charakteristikum ich darin sehe,daß sie aus freiwillig bei der Lade einrollierten(= eingeschriebenen) Mitgliedernbestehen, die nach eigenen( selbsterstellten) schriftlichen oder mündlich überliefer-ten Normen( Statuten, Schützenordnungen) regelmäßige Schießkonkurrenzen in denMittelpunkt ihrer geselligen Zusammenkünfte stellen. Das Wesentliche der Schützen-gesellschaften stellt die Schießkonkurrenz dar, der friedliche Wettstreit, die ritterlicheKurzweil um besserer Freund- und Nachbarschaft" willen, wie es in den Urkundenimmer wieder heißt. Ihr Ziel bildet die Scheibe und nicht der Mensch beziehungsweiseein Tier, ihr Schießgerät( man sollte in diesem Zusammenhang nicht von Waffe spre-chen) unterscheidet sich grundlegend von Kriegs- oder Jagdwaffen, sie tragen keine( Trachten) Uniform und wählen aus ihrer Mitte den Schützenmeister.

Ich lege auf diese grundsätzlichen Unterschiede so großen Wert, weil man dieSchützengesellschaften meist vom Wehrwesen abzuleiten sucht. Das widerlegt aberauch die Etymologie des Wortes Schütze", dessen germanische Wurzel skut" angel-

154