Druckschrift 
Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

An Punkt han i g'schoss'n,da Böller hat kracht

Schützentradition im Salzkammergut

> 1975

Als am Beginn des 19. Jahrhunderts die Städter, beflügelt von der romantischenIdee auszogen, das Land und seine Leute zu entdecken, gehörte das Salzkammergutmit seiner pittoresken" Landschaft und seiner altartigen Kultur zu den bevorzugtes-ten Reisezielen. In zahlreichen schriftlichen und bildlichen Dokumenten wurden dieErlebnisse und Eindrücke festgehalten, die heute zu den hervorragendsten Quellender Volkskunde zählen. So findet man in dem Buch Reisegefährte durch die Öster-reichische Schweiz" von Johann Steiner 1820 den Hinweis, daß neben den verschie-denen Volksbräuchen, wie den vier Ständen, den Glöcklern und Sternsängern, derFaschingshochzeit, den vier Jahreszeiten und dem Schwerttanz, das Schießen auf denprivilegierten Schießstätten oder einmal mit Bewilligung der Obrigkeit auf den Gäu-wirtshäusern das vorherrschende Volksspiel sei. Ganz besonders hebt Johann Steineraber das uralte adeliche Bolz- hier Pallesterschießen" hervor.

Ohne Zweifel bildet das Schützenwesen und im speziellen das Armbrustschießenmit seinen bunten Bräuchen eine Besonderheit des Salzkammergutes. Trotzdem mutetdie Euphorie Johann Steiners einigermaßen verwunderlich an, wenn man bedenkt,daẞ keine 20 Jahre vorher das Armbrustschießen noch verboten war. Da die kreisämt-liche Currenda dd. 12. April d. J.( 1802) Nr. 1879 bei Abstellung der öffentl. Spiele anSonn- und Feyrtägen vor geendeten nachmittägigen Gottesdienst, daß ist von 4 UhrNachmittag in der Gattung der Spiele keinen Unterschied machet, so versteht sich vonselbst, daß auch daß Eiẞschüssen, dann Stahlschüssen, und andere was immer Namenhabende öffentliche Spiele unter der Gattung der verbothenen Spiele... begriffen,folglich nicht zu gestatten seyen."

Besonders anschaulich schildert uns der Bericht zweier Landgerichtsdiener beimPflegamt Wildenstein die damalige Situation. Diese beiden hatten zur Zeit des nach-mittägigen Gottesdienstes an Sonn- und Feiertagen die umliegenden Gasthäuser undverdächtigen Orte zu inspizieren. Dabei kamen sie auch zum Huthaus( Forsthaus)des Neef im Weißenbachtal bei Goisern, worüber sie folgenden Bericht erstatteten: Als wir um 1/2 4 Uhr nachmittag, wo der Gottesdienst noch kaum beendet war, vonden übrigen Orten, wobey sich aber nichts anstößiges zeigte, zu dem Huthaus ka-men, da trafen wir mehrere Gäste im Zechen an, worunter sich der Putz in Wildpfad,

141