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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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ENTWICKLUNGSLINIEN IM VOLKSKUNDLICHEN MUSEUMSWESEN ÖSTERREICHS

urwüchsige Grundlage. Um Erforschung und Darstellung der volksthümlichen Unter-schicht ist es uns allein zu tun. Das eigentliche Volk, dessen primitivem Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivem Wirtschafts-betrieb eine primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Lebensführung, ein urwüchsiger Geisteszustand entspricht,wollen wir in seinen Naturformen erkennen, erklären und darstellen."( Haberlandt1896) Ihre Absichten fanden auch in der Öffentlichkeit breites Echo, wie ein Beitragim Journal Wiener Mode" des Jahres 1897 bezeugt:

Die bedeutendste Aufgabe, welche sich der vor zwei Jahren gegründete Vereinfür österreichische Volkskunde stellte, war die Gründung eines Museums für österrei-chische Volkskunde in Wien. Dieses Institut sollte der Mittelpunkt der österreichischenEthnographie werden: Einer Wissenschaft, die eigentlich erst im Entstehen begriffenist und welche die Erforschung der volksthümlichen Sitten und Gebräuche bei al-len Volksstämmen der Monarchie zum Ziele hat. Ansätze zu volkskundlichen Samm-lungen sind vielfach und zuweilen auch schon in respektablem Umfang vorhanden.Jede Landeshauptstadt, auch manche kleine Provinzstadt hat heutzutage ihr Museum,und jedes dieser Museen pflegt neben mehr oder weniger schönen Gemälden undSkulpturen einheimischer Kunstgenies, neben den historischen Denkmälern und Re-liquien etc. auch eine Sammlung volkskundlicher Gegenstände zu besitzen: Costümeder heimischen Bevölkerung, ihre Geräthschaften in Küche, Haus und Hof, ihre ur-wüchsigen Erzeugnisse im Gewerbe und in der Industrie und dergl. m. Aber alle dieseProvinzialmuseen- das Joanneum in Graz, das Ferdinandeum in Innsbruck, das Fran-zensmuseum in Brünn u.v.a.- beschränken sich doch ganz auf ihre engere Heimat, siepflegen tirolische, steirische, böhmische Volkskunde. Das Wiener Museum aber sollteso recht im Geiste des österreichischen Staatsgedankens alle Völker und Stämme derMonarchie mit gleicher wissenschaftlicher Liebe umspannen und in der Reichshaupt-stadt ein zusammenfassendes Bild derselben schaffen."( zit. n. Beitl 1985)

Es ist erstaunlich, mit welcher Energie dieses Ziel angestrebt wurde. Binnen Jah-resfrist hatte man fast 6000 Objekte, mit denen man bereits 1896 in einer Ausstel-lung an die Öffentlichkeit trat. Als Michael Haberlandt mit seiner Sammlung aus derWiener Börse, wo er seit Beginn Unterkunft gefunden hatte, 1917 in das GartenpalaisSchönborn in den 8. Bezirk übersiedelte, füllten die Objekte bereits sämtliche Räume.Durch das Ende der Monarchie wurde das Museum für österreichische Volkskunde"zwar seines großen Sammlungsbereiches beraubt, als Österreichisches Museum fürVolkskunde" konnte es seine Bedeutung als Denkmal einer Epoche aber bewahren. ImZusammenwirken mit seinem Sohn und Nachfolger, Arthur Haberlandt( 1889-1964),erfolgte nun im Sinne einer vergleichenden Volkskunde außerdem ein Ausgriff aufganz Europa( Schmidt 1960).

Bei all diesen Unternehmungen bildete die 1896 gegründete Zeitschrift fürösterreichische Volkskunde", ab 1919 Wiener Zeitschrift für Volkskunde", ab1947 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, ein wichtiges wissenschaftlichesKommunikationsorgan.

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