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Herbert Nikitsch
ÖZV LIX/ 108
, Vergleichsbestände' bewogen. Der wichtigste, auch finanziell leis-tungsfähigste dieser frühen Schüler war Rudolf Trebitsch, der Sohneines Wiener Seidenfabrikanten vom Brillantengrund, der Medizinstudiert hatte, sich aber bald ganz der im Aufstieg begriffenen An-thropologie und Ethnologie wie auch der Linguistik widmete." 49
Mit diesen biographischen Eckdaten hat Schmidt einen Mannvorgestellt, der zwar in der Geschichte des Hauses in der Laudongasseeinen klingenden Ruf hat, über dessen Leben ansonsten aber eigent-lich nicht viel mehr als sein tragisches Ende bekannt ist: Der 1876Geborene wurde- so geht aus den Lebenserinnerungen seines Stief-bruders, des Schriftstellers Siegfried Trebitsch, hervor50- zu Beginndes Ersten Weltkriegs als Oberarzt einberufen, was ihn, der zwarMedizin studiert, diesen Beruf jedoch nie ausgeübt und sein Lebens-interesse bald darin gefunden hatte,„, die sprachlichen RestvölkerWesteuropas[...] volkskundlich und linguistisch zu untersuchen" 51,zur Verzweiflung und schließlich in den Freitod geführt hat. Und wassein familiäres Umfeld anlangt, so wissen wir nur aus TheodorLessings Studie über den„ jüdischen Selbsthaß“, dass sein Vater, derSeidenfabrikant Oscar Trebitsch, aus der jüdischen Gemeinde ausgetre-ten ist- und dies in gewissermaßen renegatenhafter Manier: ,,[ Er] ließseine drei Söhne, obwohl der Stammbaum beider Eltern rein jüdisch war,ohne Verbindung mit der alten Überlieferung aufwachsen und erfüllteihre Herzen mit deutschen Hochzielen".52 Ob er mit Letzterem beiseinem ältesten Sohn Rudolf ähnlich erfolgreich gewesen ist wie beiseinem jüngsten, dem bekannten antisemitischen Publizisten und ,, jüdi-schen Selbsthasser" Arthur Trebitsch, geht aus dieser knappen Bemer-kung nicht hervor, lässt sich jedoch angesichts seiner auch geographischweit ausholenden Interessen zumindest in Zweifel ziehen.
Was von Rudolf Trebitsch vor allem auf uns gekommen ist undbleibt, das sind all die Exponate und Sammlungen, die er auf seinenReisen nach Irland, Wales, Schottland oder in die Bretagne zusam-
49 Schmidt( wie Anm. 8), S. 68. Trebitsch dissertierte 1911 über„, Fellboote undFelle als Schiffsfahrzeuge und ihre Verbreitung in der Vergangenheit und Gegen-wart"( als ,, Referenten" firmierten Prof. Eugen Oberhummer und Prof. MorizHoernes).
50 Trebitsch, Siegfried: Chronik eines Lebens. Zürich, Stuttgart, Wien 1951, S. 295-298. Siehe zu Siegfried Trebitsch auch Lillie( wie Anm. 7), S. 1271–1288.
51 Ebda.
52 Lessing, Theodor: Der jüdische Selbsthaẞ. Berlin 1930, S. 101( hier über ArthurTrebitsch S. 101–131).