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Eugenie Goldstern und ihre Stellung in der Ethnographie : Beiträge des Abschlusssymposions zur Ausstellung "Ur-Ethnographie. Auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur. Die Sammlung Eugenie Goldstern" ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 3. bis 5. Februar 2005
Entstehung
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2005, Heft 2-3

Lust aufs Feld

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hin, dass, auch ohne diese, alle in jener Zeit auf FeldforschungAusziehende ungefähr gleich vorgingen, dass es also so etwas wie eincommon knowledge gegeben haben muss, allerdings nicht mehr, da ihrerMeinung nach eine Gesellschaft wie die deutsche, die, nationalistisch,illiberal, irrational und kulturpessimistisch" war, 15 nichts anderes wollte,als es die gewünschten Ansammlungen von Relikten hergaben. Wenndahinter noch dazu, wie bei Michael Haberlandt, das Interesse amÄufnen einer Museumssammlung steht, so kann man wohl annehmen,dass auch das Wiener wissenschaftliche Umfeld von Eugenie Goldsternso aussieht, von dem sie sich, explizit jedenfalls, nicht absetzt, das siealso wohl, in unideologisch- naiver Weise vielleicht, akzeptiert.

Gleichzeitig ungleich

Michael Haberlandt hat als Orientalist Glossar ::: zum Glossareintrag  Orientalist und Völkerkundler angefan-gen, als( Armsessel-) Erforscher von weit Entferntem also. Immerdeutlicher lässt er aber erkennen, dass es, seinem evolutionistischenDenken zufolge, die urbane westliche, genauer deutschstämmigeWelt( und ihre academia) ist, die den Gipfel der Entwicklung darstellt,und der Kulturvergleich dient nur dazu, diese Überlegenheit gegen-über allen anderen sichtbar werden zu lassen. Selbst die derbereKultur der deutsch- österreichischen Alpengebiete habe eine gesell-schaftsgeschichtliche Höhe erreicht, die die steckengebliebene( bäu-erliche) Kultur etwa Ost- oder Südosteuropas weit übertreffe. So inseinem Beitrag zum Sammelwerk Österreich, sein Land und Volkund seine Kultur" von 1927.16 Eine merkwürdige Rangordnung fürden Direktor eines volkskundlichen, dazumal vor allem bäuerlicheObjekte sammelnden Museums in einem Land, das kurz vorher nochweit in den europäischen Osten gereicht hatte. Aufschlussreich auchdeshalb, weil daraus keinerlei Gespür für fremde Denkart und Le-bensgestaltung sichtbar wird. Ohne diesen einen Beleg für das Ganzenehmen zu wollen, ist es doch schwer vorstellbar, dass er bei seinenStudierenden den Sinn für geistige, religiöse und soziale Zusammen-hänge weckte und sie auf historische und machtpolitische Implikatio-nen aufmerksam machte- sie finden sich auch in Eugenie GoldsternsTexten nicht einmal angedacht.

15 Deissner( wie Anm. 1), S. 165, unter Berufung auf Jörn Rüsen.

16 Erschienen Wien und Weimar 1927, S. 210.