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Eugenie Goldstern und ihre Stellung in der Ethnographie : Beiträge des Abschlusssymposions zur Ausstellung "Ur-Ethnographie. Auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur. Die Sammlung Eugenie Goldstern" ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 3. bis 5. Februar 2005
Entstehung
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Werner Bellwald

ÖZV LIX/ 108

nommen werden." Was Rütimeyer an der Ethnologie derart zu fas-zinieren vermochte und ihn zu einem enormen Engagement motivier-te, ist vielleicht aus einer Vortragspassage zur erwähnten Ceylonreiseherauszuspüren: Ich kann nicht leugnen, dass der erste Anblickdieser wilden Söhne des Waldes etwas ganz Überwältigendes hatte;man hatte das feierliche Gefühl, hier einem Stück ursprünglichsterMenschheit gegenüber zu stehen...

Jahre ohne Reisen in andere Kontinente werden mit Aufenthaltenin den europäischen Nachbarländern und in Großbritannien genutzt.Die großen städtischen Museen wirken auf Rütimeyer wie Magnete;hier verbringt er Tage und füllt Notizblöcke. Zu Hause wartet daszeitaufwendige Einordnen und Auswerten des gesammelten Materi-als, das Studieren und Exzerpieren der Zeitschriften und neu erschie-nenen Bücher. Zahlreiche Artikel entstehen; Über altägyptischeRelikte im heutigen Ägypten und Nubien" oder beispielsweise ,, Überaltertümliche afrikanische Waffen und Geräte und deren Beziehungenzur Prähistorie"- die Titel verweisen auf Inhalte und Methoden,denen wir noch begegnen werden.

Weiter wirkt Rütimeyer über vier Jahrzehnte als( Mit) betreuer oderVorsteher der afrikanischen, der asiatischen und der arktischen Abtei-lung des Basler Museums, die er auch( mit) begründet hatte. Mitseiner Anregung von 1892, man möge doch eine Kommission für eineethnographische Sammlung bzw. eine solche Sammlung selbst schaf-fen, legte Rütimeyer quasi den Grundstein für das heute als Museumder Kulturen bekannte Haus in Basel. ,, Jeden Donnerstag gehe ich aufdas Museum und freue mich auf diese stillen Stunden wie ein Kindauf den Weihnachtsbaum. Ich catalogisiere jetzt Ceylon." Rütimeyerwar nicht ganz unschuldig daran, dass sich der Objektbestand von2000 im Jahre 1893 auf 27.000 im Jahre 1913 erhöhte. Will mandamaligen Aussagen glauben, sahen die Ausstellungsräume wie einüberfülltes Magazin aus.

All das neben Beruf und Familie- die Zeitzeugen entwerfen dasBild einer vielseitigen, talentierten Persönlichkeit von aussergewöhn-licher Schaffenskraft in Kombination mit einem enormen Willen.Kurzum: Rütimeyer sei eine begeisterte und begeisternde Forscher-

7 Sarasin( wie Anm. 5), S. 5.

8 Sarasin( wie Anm. 5), S. 5.

9 Brief von L. Rütimeyer an P. und F. Sarasin. Basel, 1.8.1902. Staatsarchiv Basel,PA 212, T2, XX, Nr. 40.