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Eugenie Goldstern und ihre Stellung in der Ethnographie : Beiträge des Abschlusssymposions zur Ausstellung "Ur-Ethnographie. Auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur. Die Sammlung Eugenie Goldstern" ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 3. bis 5. Februar 2005
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2005, Heft 2-3

Ur- Ethnographie und Moderne

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mungen von Wanderungen ausgesetzt gewesen Alpenbewohner, seitJahrhunderten und Jahrtausenden bis in prähistorische Urzeiten zu-rück gebraucht haben und noch brauchen." Aus diesem, Urmaterial"kann er eine Ur- Ethnographie der Schweiz als, bis zur Gegenwartvöllig lückenlose prähistorische Stammbäume konstruieren".17 Dawird eine Schweizer Ursuppe gebraut, deren Qualität sich an dieArchetypenlehre C. G. Jungs wie auch an die Pädagogik RudolfSteiners anschmiegt und nicht zuletzt von der Anthropologie der1920er Jahre beeinflusst ist. Aber Rütimeyer sieht auch, und hier fühltman das Wabern der Freud'schen Psychoanalyse,, wie dünn dieheutige Oberflächendecke ist, die uns von den Niederschlägen frühe-rer Kulturen trennt". 18 Prähistorische und ethnographische Parallelen,ebenso die Relikte werden im Untertitel des Rütimeyer- Buches ge-nannt. Das verspricht Breite und Tiefe das ur" wabert als weltweitGleiches und Anfängliches.

Ethnographie als Beschreibung- nicht mehr

In der Erzählforschung hatte man vor 1900 mit Oikotypik, Erbtheorie,Polygenese und Wanderung versucht, auffällige, weltweite Ähnlich-keiten von Erzählstoffen zu erklären. 19 Die Theorie der Polygenese inder Erzählforschung unter ähnlichen ökologischen Bedingungenentstehen ähnliche kulturelle Formen- hat wohl Pate beim Vergleichgestanden. Denn auch Eugenie Goldstern vergleicht. Doch lässt sichdaraus der fuẞnoten- behutsame Vergleich mit den völkerkundlichenMaterialien ablesen, die sich im Ur- Ethnographie- Konzept der Aus-stellung aufdrängen? Hängt man damit einer Rede von den weltwei-ten anthropologischen Konstanten des Einfachen an? Ist es evolutio-närer Biologismus oder ist es eine ästhetische Sensibilität, mit der wirauf das Einfache reagieren und wie die Romantiker im Ungeschiede-nen des Ursprungs die Urform sahen, so als ob wir Adolf Bastians,, Elementargedanken der Menschheit nachhingen? Ist es das Einfa-che, wie wir es von den Künstlern kennen- vom Expressionismusder Brücke- Maler, vom Blauen Reiter der 1920er Jahre, der sich von

17 Rütimeyer( wie Anm. 11), S. X.

18 Rütimeyer( wie Anm. 11), S. XIII.

19 Bausinger, Hermann: Formen der ,, Volkspoesie". Berlin 1968, S. 30ff.