2005, Heft 2-3
Eine vorangestellte Nachbetrachtung
111
und Süddeutschlands bringt, verschwindet ihre Sammlung endgültigin die Reserve. Kurz zuvor, vermutlich 1948, waren noch Schautafelnangefertigt worden, auf denen jene Orte verzeichnet waren, die Eu-genie Goldstern auf ihren Reisen in Savoyen und im Piemont bezie-hungsweise in der Schweiz aufgesucht hatte. Auf einer eigenen Tafelmit der Überschrift ,, Hochalpentäler. Die Sammlungen der österrei-chischen Volkskundeforscherin Eugenie Goldstern" werden ihre Pu-blikationen angeführt( Entwurf: Hans Aurenhammer; Ausführung:Jörg Reitter).
Klaus Beitl, dem Kenner der französischen Ethnologie und seit1960 am Wiener Museum tätig, kommt das Verdienst zu, EugenieGoldstern wieder in das Bewusstsein der Fachwelt gerückt zu haben.Er veranstaltet eine Ausstellung, berichtet auf Tagungen über dieSammlung und veranlasst die Übersetzung der Mongraphie überBessans ins Französische. Er liefert auch den Anstoß für ArnoldNiederer, sich mit dem Zürcher Seminar nach Bessans zu begeben,das Beitl selbst aus eigener Anschauung kennt.
Bei all diesen Bemühungen blieb jedoch das wirkliche Schicksalvon Eugenie Goldstern im Dunkeln. Die Erhellung dieser Fragemachte Albert Ottenbacher sich zur Aufgabe. Ihm verdanken wir dieBiographie von Eugenie Goldstern. Damit entbrannte aber auch dieFrage nach dem Verbleib der Sammlung aufs Neue.
Die adäquate Antwort darauf sollte eine Ausstellung liefern. Dazubedurfte es für die inzwischen fünfte beziehungsweise sechste Gene-ration am Museum einer neuerlichen( siehe oben!) intensiven Aus-einandersetzung mit der Person und dem Material. VerschiedeneMöglichkeiten der inhaltlichen Ausrichtung wurden angestellt. Vonvornherein war klar, dass mit den vorhandenen Relikten eine Darstel-lung des alpinen Lebens in den Zentralalpen nicht zu leisten war. Dasliest man besser in ihren vorzüglichen Arbeiten nach. Eine Fokussie-rung auf die jüdische Volkskunde beziehungsweise die Rolle derFrauen in der Volkskunde hätte nicht nur die Sammlung, sondern auchihre Beziehung zum Museum in den Hintergrund treten lassen. Unsging es aber darum zu zeigen, welchen Stellenwert Eugenie Goldsterninnerhalb der Ethnographie besitzt und welche theoretischen Ansätzemaßgebend waren, die zur Gründung des Museums und zum Aufbaueiner vergleichenden ethnographischen Sammlung führten, wozuihre Sammlung eben ganz wesentlich beitrug. Diese Absicht sollteim Titel der Ausstellung ,, Ur- Ethnographie. Auf der Suche nach