Drei innerschweizerische Musterbücher
für Andachtsbilder
( Mit 1 Figur im Text und 5 Abbildungen auf Tafeln)
Von Robert Wildhaber, Basel
Kürzlich hat Leopold Schmidt in seinem Aufsatz über„ Ein spätbarockesGebetbuch aus Hochneukirchen und seine Andachtsbild- Einlagen. Ein Beitragzur niederösterreichischen Wallfahrtsgeographie" ¹) mit allem Nachdruck dieAuswertung der Andachtsbilder in ihrer Bedeutung im Leben ihrer Besitzerund Käufer- oder anders ausgedrückt: der Konsumenten aufgewiesen. Erhat damit die Wege weiter beschritten, wie sie bereits von Gugitz 2) eröffnetund wie sie dann neuerdings in meisterhafter Weise von Brückner ³) ausge-arbeitet wurden. Es ist klar, daß alle diese Arbeiten ohne das grundlegendeWerk von Spamer 4) nicht hätten ausgeführt werden können. Doch muß fest-gehalten werden, daß der Nachdruck bei Spamer auf der Betrachtung der Pro-duzenten liegt, auf einer ausgesprochen ästhetischen, ikonographischen undhistorischen Überschau. Für die Erschließung des Gebietes wird man Spamerimmer zu Dank verpflichtet sein. Wir werden aber andererseits auch alleArbeiten begrüßen, welche die Beziehung des Objektes zum Menschen, seineFunktion im Leben des Menschen erhellen. Denn hier sind doch noch eineReihe von Fragen zu stellen und zu lösen. Da ist zunächst einmal naheliegend,sich nach den Möglichkeiten umzusehen, dank welcher die Andachtsbilder,, unter die Leute" kamen. In erster Linie sind hierfür die Hausierer, Bilder-händler, Kolporteure in Frage gekommen. Hörmann beschreibt in seinen,, Tiroler Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen 5)" die Tesiner Bilderhändler. Ihr Hausierhandel wuchsaus kleinen Anfängen„ zu einem sehr bedeutenden Großhandel"; sie warendiejenigen, welche die Druckgraphik der Firma Remondini in Bassano in ihrenBilderkasten vor allem in Tirol, Oberitalien, Deutschland und England ver-trieben. Die Blütezeit des Tesiner Bilderhandels fällt in die Zeit von 1750 bis1790. Schon 50 Jahre vor Hörmann hatte Georg von Martens in seiner„, Reisenach Venedig 6)" kurz von diesen Tesinesen und ihrem Handel berichtet; ersagt, daß außer ihrem ersten Beförderer Remondini" sie eine Zeit lang auchvon Wagner in Venedig und Suntach in Brixen mit Kupferstichen versorgtwurden. ,, Die zehen oder zwölf[ Tesinesen], welche die Jahrmärkte in Würtem-berg besuchen, beziehen ihre Waaren fast ausschliesslich von Tessari et Comp.in Paris, der Herzberg'schen Kunsthandlung in Augsburg und Kampe in Nürn-berg, von ersterem besonders Frauenzimmerköpfe und farbige Kupferstiche,von letzterem illuminirte Darstellungen der neuesten Zeitereignisse." Auseben dieser Blütezeit des Bilderhandels( ca. 1750) bringt Herrliberger in seinen„ Zürcherischen Ausrufbildern 7)" zwei Abbildungen von Straßenverkäufern
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