Noah und die Arche in der Volkskunst
( Mit 2 Figuren im Text und 8 Abbildungen auf Tafeln)
Von Lutz Röhrich, Freiburg i. Br.
Unter den alttestamentlichen Szenen, deren sich die Volkskunst bemäch-tigt hat, findet sich nicht selten die Arche Noahs- kein Wunder, ist doch diekurze, aber dramatische Erzählung von Noah und seiner Arche eine der be-kanntesten Geschichten der Bibel ¹). Der Aufbau der Erzählung ist sehr ein-fach und durchsichtig. Gen. 6 hat zwei Einleitungen. In der ersten( V. 5-8)stellt Jahwe fest, daß alle Gedankengebilde der Menschen" schlecht seien,und beschließt, die Lebewesen ,, von der Erde wegzuwischen". Nur Noah wirdbegnadigt. In der zweiten( V. 9-12) ist Noah, Vater dreier Söhne, ein„ gerech-ter, religiös einwandfreier Mann, der mit Gott wandelt", während die ganzeübrige Menschheit, moralisch verkommen, die Erde mit Gewalttaten anfüllt.Der erste Akt( Gen. 6, 13-22) enthält den Befehl Gottes an Noah, aus Holzeinen„ Kasten" von bestimmten Ausmaßen zu bauen, ihn innen und außen mitPech zu bestreichen und mit einem Dach zu versehen. Durch eine Öffnungzugänglich, soll dieser Kasten aus drei Stockwerken mit zahlreichen Kammernbestehen. Gott kündigt an, er werde den Himmelsozean wieder auf die Erdebringen. Nur Noah, seine Familie und von allen Tierarten je ein Paar würdenin dem Kasten überleben.
Der zweite Akt( 7, 1-24) bringt die Schilderung dieser Ereignisse. DieEinzelheiten häufen sich: Der Himmelsozean stürzt auf die Erde, die Fensterdes Himmelsgewölbes öffnen sich und 40 Tage lang strömt Regen herab. Imschwimmenden Kasten befindet sich von allen Tierarten je ein Paar.
Der dritte Akt( 8, 1-19) erzählt das Ende der Katastrophe: Nach 40 Tagentreibt ein Wind das Wasser zurück, die Quellen der Urflut und die Himmels-fenster werden verstopft, der Regen wird zurückgehalten, die Wasser ver-laufen sich immer mehr. Noahs Bauwerk landet auf den Bergen von Ararat.Durch eine öffnung am Dache läßt Noah nacheinander einen Raben und drei-mal eine Taube fliegen. An deren schließlichem Ausbleiben erkennt er dasEnde der Flut. Gott ermächtigt alle Überlebenden, den Kasten zu verlassen.
Es folgt ein doppelter Schluß: Zuerst( 8, 20-22) bringt Noah Jahwe einOpfer dar. Jahwe beschließt, trotz der Schlechtigkeit der Menschen die Erdenicht mehr zu verfluchen, sondern regelmäßig die Zeiten von Saat und Erntewiederkehren zu lassen. Sodann( 9, 1-17) segnet Gott die Menschen und gibtihnen die verpflichtende Zusage, fortan ihre Existenz im Großen wie im Einzel-nen zu schützen. Er will sich vom„ Bogen in den Wolken" immer wieder andiese Zusage erinnern lassen 2).
Noah gehört zu den Auserwählten des Alten Testaments. Wegen seinervorbildlichen Frömmigkeit wird er mit den Seinen gerettet und der Ahnherr
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