zu zeigen, um so bereitwilliger kommt der volkstümliche Maler dem Bedürfnisdes Volkes nach Selbstbestätigung in den ihm zugeordneten Bildwerken ent-gegen. Natürlich greifen da nicht professionelle„ Maler" zum Pinsel, sondernwieder sind es in der Regel Menschen, die sich irgendeiner Standesgruppebesonders verbunden fühlen. Kein„ Stand", keine Gruppe hat etwa in derObersteiermark und dem angrenzenden Salzkammergut( man könnte die Blick-richtung auch vom Norden nach Süden einschlagen) mehr volkstümliche Gel-tung erlangt als der des Jägers, des„ Schützen"( in des Wortes mehrfacherBedeutung) und des weiblichen Pendants, der Almerin( ,, Sennerin" dürfte manin diesem Zusammenhang nicht sagen, da es als tirolisches Fremdwort erstam Ende des 19. Jahrhunderts die landläufigen Bezeichnungen, unter anderem,, Schwoagerin“ und„ Brentlerin", verdrängte). Sofort drängt sich der Gedankean den parallellaufenden Fall des„ jagerischen" bzw.„ almerischen" Volks-liedes auf. Allein schon die Anzahl der Lieder dieses Genres läßt vergleichs-weise ihre Bedeutung innerhalb des gesamten alpenländischen Volksliedeserkennen. Von den im Registerband der österreichischen Zeitschrift„ Dasdeutsche Volkslied"( 1899-1944) aufgeführten Liedanfängen beziehen sichallein schon 150 auf diesen Inhalt. Dies verwundert nicht, wenn man volks-liedsoziologisch" weiß, daß Hauptgeburtsstätten alpenländischen Gesanges dieAlmhütte, die Jagd- und Holzknechthütte und die Wirtsstuben abgelegenerDörfer sind. Dieser unübersehbaren Selbstdarstellung von Jäger- und Alm-leben im Volkslied entspricht auch auf der bildnerischen Seite die Darstellungvon Jäger- und Almleben. Sie erfolgt auf dem einzigen repräsentativen„ Möbel",besser gesagt, Blickfang einer Almhütte, dem Löffelrehm. In den Löffelrehm( Löffelsteckgerät) steckte der Liebhaber, nicht selten eben der Jäger, seinenals„ Minnegabe" mitgebrachten bemalten Löffel als ein Zeichen der„ Ver-ehrung"( ,, Verehren" in der doppelten Bedeutung von„ schenken" und lieben).Auf den Löffelrehmen wird, namentlich in den mittleren Jahrzehnten des19. Jahrhunderts( 1820-1880), das gesamte Almleben mit Hütten, Kühen,Schwaigerinnen, diese häufig in der Geste mit zugestopften Ohren„, ludelnd"(= jodelnd), besuchenden„ Almbuam", vorwiegend Jägern oder auch Wild-schützen, dargestellt. Ein besonderes Zentrum der Rehmkunst, wie man siebezeichnen könnte, war das Ausseerland, aber auch im oberösterreichischenSalzkammergut waren diese bemalten Rehme stark verbreitet. Manchmalstehen auch Jagd und Jäger im Vordergrund der Darstellung, es wimmeltim Wald von Hirschen und Gemsen. Auf einem Rehm aus Gosau( O.-Ö. Landes-museum, Inv. Nr. F 10.306) sind ganze„ Passen" von„ Almbuam" dargestellt,die auf Hüttenbesuch, dem nächtlichen Gasslgang 6) oder„ Nåchtroasn" be-griffen sind( Abb. 57). Selbstdarstellung intimer, oft geheimgehaltener Volks-lebenszüge, die nur für den Eingeweihten oder Kenner deutbar sind.
Von den steinisch- oberösterreichischen Löffelrehmen ist kein weiterSprung zur Senntumsmalerei der Ostschweiz 7). Es unterliegt keinem Zweifel,daß hier geradezu ein Paradefall der Selbstdarstellung vorliegt. An diesemmonographisch gut erfaßten Beispiel kann Beginn( 1804), Blütezeit( um 1870)und Verfall( um 1900) abgelesen werden. Wieder ist es das 19. Jahrhundert,das diese Kunst zur Entfaltung bringt. Und zu beachten ist die Schwelle vonder gleichsam noch„ naiven" davon wird noch die Rede sein ― zu einerschon sehr bewußten, folkloristisch aufgeladenen Senntumsmalerei ab 1910.
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