Landesmuseums in Wien nahe 14). Der Gastwirtssohn Johann Mathias Ranftlaus der Kremser Vorstadt, der seine Studien an der Wiener Akademie unterPeter Krafft absolviert hatte und meist in Wien arbeitete, würde sich auch indiesem Gemälde, wenn die Zuschreibung sich bestätigen sollte, als der be-währte Genre- und Historienmaler erweisen, der in seinen einmal sentimen-talen und dann wieder heiteren Schilderungen von Szenen aus der vorstädti-schen und bäuerlichen Umwelt Wiens eine enge persönliche Beziehung zu denErscheinungen des Volkslebens bekundet 15).
Wenden wir uns dem Bild zu, so sehen wir den Augenblick festgehalten,da der Großvater, angetan mit dem neuen schwarzen Pilgergewand, von derFeierlichkeit am Hofe zu Wien in seine Stube im bäuerlichen Altenteil zurück-kehrt. Er hat den Raum gerade erst betreten, die Türe steht noch offen. SeineTochter, die ihn von der Kaiserstadt wieder nach Hause geleitet hat, über-antwortet den Heimgekehrten nun dem Jungbauern, der ihn zusammen mitseiner ganzen Familie willkommen heißt. Der Bauer und die Bäuerin habenzu diesem festlichen Anlaß ihr gutes Gewand angelegt. Sie geleiten den Altenzu seinem gewohnten Lehnstuhl, damit er sich nach den Anstrengungen derReise ausruhe. Die Bäuerin in ihrer Sorge, daß die Aufregungen des großenTages dem Greis vielleicht doch haben schaden können, reicht ein Fläschchenstärkender Medizin. Vier muntere Enkelkinder füllen den kleinen Raum. DieSchwester hat das kleinste in ihre Obhut genommen. Ein Bub hat GroßvatersLehnsessel von hinten her erklommen und schwenkt zur Begrüßung die Haus-mütze des Alten. Der größte unter den vieren ist der vorwitzigste. Er hatschon den Deckel von der Holzwanne abgehoben und muß nun schauen, wieer mit gebieterischer Gebärde den struppigen Haushund abwehren kann, dersich vom appetitlichen Geruch des von der kaiserlichen Tafel heimgebrachtenBescheidessens angezogen fühlt. Man nimmt in der Holzwanne, in weißesLinnen geschlagen, verschiedene Speisen ein Brathuhn, Brote und der-gleichen und Geschirr wahr. Der Großvater, in dessen verklärtem Gesichtnoch die ganze Freude und Erregung über die ihm zuteil gewordene Ehre ge-schrieben steht, hat auf den hoffnungsvollen Nachwuchs seiner Familie nichtvergessen und verteilt an die Enkelkinder als Mitbringsel aus der Stadt Zucker-sachen aus einem kleinen Papierstanitzl.
Läẞt man den Blick noch etwas auf dem Gemälde ruhen, so werden nebenmanchen Möbeln, Einrichtungsstücken und zahlreichem Hausrat vor allemzwei Dinge die Aufmerksamkeit des Betrachters anziehen, weil mit ihrer Hilfeeine recht genaue zeitliche und landschaftliche Zuordnung des dargestelltenBrauchgeschehens möglich ist. Da weist der auf die schmale Schauseite derHolzwanne aufgemalte Doppeladler mit der österreichischen Kaiserkrone undder böhmischen sowie ungarischen Königskrone( seit 1804) im aufgelegtenBindenschild die Initialen Kaiser Franz' I. auf. Das Gemälde ist somit vor 1835,dem Todesjahr des ersten österreichischen Kaisers, entstanden. Dieses Bezugs-jahr aber vermag die oben schon ausgesprochene Vermutung zu bestätigen,daß diese künstlerische Brauchdarstellung mit dem verwandten GemäldeRanftls„ Sommer- und Winterspiel" aus dem Jahr 1834 ungefähr zeitgleich seinkönnte. Dieser möglichen Zeitstellung des Bildes entsprechen auch die sehrgenau wiedergegebenen volkstrachtlichen Details, besonders die in diesemZusammenhang aufschlußreiche„ Drahtlhaube" der Bäuerin 16). Solche über ein
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