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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
Entstehung
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Die weiße Fahne am Schulgebäude

( Mit 1 Plan im Text und 2 Abbildungen auf Tafel)

Von Sepp Walter, Graz

Die erste zusammenfassende Untersuchung über den Brauch, am Gebäudeeiner Mittelschule( inzwischen sind daraus höhere Schulen geworden) eineweiße Fahne zu hissen, falls sämtliche Maturanten die Reifeprüfung bestan-den haben, stammt aus der Feder des mit dieser Festschrift Geehrten ¹). Leo-pold Schmidt stellte auch die übrigen Gepflogenheiten mit einer weißenFahne in den Zusammenhang seiner Betrachtung: Gefängnis ohne Insassen,Großspital ohne Todesfall sowie militärische Kapitulation. Vorher war derBrauch schon von Hans Commenda erwähnt worden ²).

Daß dieser Beitrag aber hier erscheint, geschieht ferner in Entsprechungeiner ausdrücklichen Aufforderung von Leopold Schmidt: Für eine wirklicheKenntnis der inneren Zusammenhänge wären freilich Einzelwahrnehmungenund deren Aufzeichnungen in älterer wie in jüngerer Zeit stets willkommenund von Nutzen" ³).

In der Steiermark wurde die weiße Fahne am Schulgebäude seit denfünfziger Jahren unseres Jahrhunderts über den Kreis der durch eigene An-schauung Erfaßten hinaus durch Berichte in den Grazer Tageszeitungen undspäter auch in den lokalen Wochenzeitungen allgemein bekannt. Auch imRundfunk hörte man im Rahmen der Steirischen Rundschau" gelegentlichdiese Erfolgsberichte eines Gymnasiums in einer steirischen Bezirksstadtoder einer allgemeinbildenden oder berufsbildenden höheren Schule in derLandeshauptstadt.

In meiner Gymnasialzeit gab es diesen Brauch in Graz noch nicht. Eshätte damals auch kaum eine Gelegenheit dazu gegeben. Die acht Jahres-berichte des Oeverseegymnasiums, die ich seinerzeit erhalten hatte, begannenin der Chronik des abgelaufenen Schuljahres jeweils mit den auf den Herbst-termin reprobierten Matura- Kandidaten...

Was lag also näher, als vom Steirischen Volkskundemuseum aus einenFragebogen an sämtliche Direktionen der in Betracht kommenden Schulenauszusenden? In diesem Zusammenhang ist es meine Pflicht, dem Amtsdirek-tor des Landesschulrates für Steiermark, Herrn Wirkl. Hofrat DDr. EwaldScheiber, für sein Einverständnis und seine Mithilfe herzlich zu danken. Nichtweniger bin ich sämtlichen Damen und Herren Landesschulinspektoren fürihre bereitwilligen Auskünfte und für das Überlassen von Anschriften undJahresberichten sehr dankbar.

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