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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
Entstehung
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Wachszinse 39) mehr und mehr entglitten, erhielt so die Möglichkeit, den Ker-zen- und Wachsbedarf zu decken. Es wurden von den Zünften in der Kircheauch Kerzen aufgestellt, die nicht auf dem Altar für die Messe standen. Art. 8des Bruderschaftsbriefs der Schäferbruderschaft von Trillfingen spricht 1780von der Bruderschaftskerze", an welche die Brüder, die nicht mit der ganzenVersammlung von der Herberge aus in der Ordnung in die Kirche und von dawieder zurück auf die Herberge gehen, je 2 Kreuzer zu bezahlen hatten. Art. 3erwähnt eine anderthalbpfündige Wachskerze, die jedes Jahr von der Bruder-schaft in die Wendelinskapelle gestiftet und auf einem hiezu angeschafftemLeuchter aufgesteckt wurde 40). In der Schweiz stiften und unterhalten dieBruderschaften der Sennen und Hirten in Beckenried( 1844), Weggis( 1686)und Oberägeri) besondere Kerzen für die Kirche. Die Bruderschaften in Uri( 1593), Gersau( 1593) und Innerthal( 1638) wählen sogar Kerzenvögte, diediese Aufgabe zu erfüllen haben oder als Kerzenträger bei feierlichen Auf-zügen erscheinen 42).

Am Tag des Zunftpatrons 43), der Jahresversammlung der Zunft und vorallem an Fronleichnam zogen die Zunftbrüder in Prozessionen daher, wobei sienicht selten brennende Kerzen trugen. Zum Beispiel schreiben die Zunftstatu-ten von Mödling 1756 vor, daß die Schafhirten mit Stäben und Kerzen in Badenan der Prozession teilzunehmen hatten 4). Das sind Vorschriften, wie sie auchbei Handwerkszünften begegnen 45).

Endlich diente das Wachs auch zum Beleuchten, um bei ZunftanlässenLicht zu spenden. Auf ein Zunftleben der Hirten, das auch feierlicher Formnicht entbehrte, wie sie bei Handwerkerzünften üblich waren 46), deuten Hin-weise auf die Altertümer der Hirtenzünfte( Zunftlade usw. 47)). Daneben abergab es Zunftmähler und Gastereien.

Eine Fragebeantwortung für Fischamend ums Jahr 1771 weist darauf hin,daß früher in der Hirtenzunft Festessen abgehalten wurden, wozu jeder Zunft-bruder 48 Kreuzer beizusteuern hatte 48). Um die gleiche Zeit fand in Neun-kirchen unter den Hirten am Sonntag nach Martini noch ein gemeinsamesEssen statt, wofür jeder Bruder jährlich 21 Kreuzer Mahlzeitgeld bezahlte 49).In Krems bezahlte die Zunftlade Meisteressen am Jahrtag, wobei das Essen14-18 Gulden kostete. Die Schafhirten zu Tulln bezahlten um 1771 jeder beiden Zusammenkünften 15 Kreuzer für das Essen 50). Wenn eine Schäferzunft1745 von einem zünftigen Meistersohn, der Meister werden will, neben einerGeldgebühr verlangt, daß er die Meisterkanne mit Wein füllt, wenn in Tulln1772 der in die Zunft Eintretende ein Maß Wein und Brot bezahlt, wenn 1653in Betzendorf der außerhalb der Zunft heiratende Zunftbruder eine TonneBier entrichtet, wenn 1649 in Orth jener, der ein Bruderschaftsmitglied be-schwindelt, einen halben Eimer Wein und Semmeln stiften muß usw. 51), deutetdas alles doch auf ein reges gesellschaftliches Leben in der Zunft hin 52). Wachsund Kerzen waren hier wohl zu gebrauchen, und die Wachsspenden der Zunft-brüder fanden hier ihre Zweckbestimmung.

So sind wir über den Umweg von Wachsspenden zum Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum derSchäfer- und Hirtenzünfte im 17. und 18. Jahrhundert vorgestoßen. Es sindLebensäußerungen der Zunft, die sonst quellenmäßig nicht leicht feststellbarsind, die aber doch vielfältig und bunt sind.

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