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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
Entstehung
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meinschaft pflegt 19), verfällt einer Wachsbuße. Die Bestrafung eines solchenTatbestandes gehört in die Reihe von Abwehrmaßnahmen, welche die Hirten-zünfte gegen den Vorwurf der Unehrlichkeit führten 20). Darum wird auch dasAbdecken 21) manchmal verboten und wird Zauberei und ihre Verheimlichungbestraft 22). Wachsstrafen stehen auch auf Hinderung der Viehhut 23), Betrugund Schädigung des Zunftbruders 24), auf Abdingen 25) und unzeitiger Kündi-gung 26). moldexedsib lus bins Toboi

Mit der Wachsbuße nähern sich die Hirten- und Schäferzünfte wiederanderen Gilden und Handwerkerzünften. Bei diesen sind Wachsbußen nichtselten 27) und werden für Störung der Zunftversammlung, Übertretung derZunftordnung, Ungebühr usw. verhängt 28).

ib 1750 wird gesagt, daß in Zeiten der Teuerung jedes Pfund Wachs 36 Kreu-zer gelte 29). Damit erhalten wir einen Ansatzpunkt, wie hoch das Wachs geld-mäßig einzuschätzen ist. Im Gebiet des Stiftes Neuburg erhielt man 1750 fürje 36 Kreuzer 2 Pfund Rollgerste, 3 Limonen, 1 Pfund Datteln, ein halbes PfundSchokolade, 3 Pfund Kaiserfleisch", 3 Pfund Speck, ca. 6 Pfund Kalbfleisch,auf dem Wiener Markt galten 1750 18 Semmeln 36 Kreuzer 30).

An wen ist das Wachs zu leisten? Die Quellen sehen als Empfänger dieKirche oder die Zunftlade vor. Zum Beispiel heißt es für das Gebiet zwischenLeitha und Fischa( 1675 und 1717), das Viertel unter und ob dem Wienerwald( 1678), für Neunkirchen( 1750), Fischamend( 1771), Tulln( 1771) und Mödling( 1772) ausdrücklich, daß das Wachs als Buße an die Kirche zu gehen hat. Inden übrigen Hirtenzünften besteht die Rechtspflicht des einzelnen Zunftgenos-sen im allgemeinen nur gegenüber der Genossenschaft; das Wachs ist alsohier nicht unmittelbar an die Kirche zu leisten. Von der einzelnen Gilde aberfließen dann die Wachsreichnisse im Weg freiwilligen Opfers oder auf Grundeiner von der Gilde errichteten Lichterstiftung an die Kirche 31).

Hier ist auch der Hauptzweck der Wachsspende zu suchen: Die Kirchewird von der Hirten- oder Schäferzunft mit Wachs für Kerzen ausgestattet.Zahlreiche Hirtenorganisationen bewahrten oder erlangten ausgesprochen reli-giöses Kolorit. Die Schäfer und Hirten bei der Klus bei Halberstadt errichteten1516 eine Bruderschaft, deren Zweck es war, die Kapelle zum hl. Kreuz in derKlus mit Almosen auszustatten, um Gottesdienste abzuhalten 32). Im gleichenJahr bestimmte die Schäferbruderschaft zu Rothenburg o. d. Tauber u. a., daßjedes Jahr in der Liebfrauenkirche ein Amt zu singen und jede Woche fürlebende und verstorbene Mitglieder eine hl. Messe zu lesen sei 33). Vor allemdie österreichischen Hirtenzünfte haben stark religiösen Einschlag 34), aberauch die Wendelins- Bruderschaften 35) und die innerschweizerischen Sennen-bruderschaften 36), wobei der religiöse Charakter verschiedener und geradeder ältesten bekannten Hirtenzünfte die Frage auftauchen läßt, wieweit hiereine ältere germanische Kulttradition nachwirkt. Man hat ja auch das sakraleBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum der frühen Zünfte und noch früheren Gilden aus kultischen Män-

nerbünden und Geheimbünden der Germanen hergeleitet 37).

biz obi Die verschiedenen Meß- Stiftungen 38) riefen nach größeren Wachsmengen,welche die Hirtenzünfte aufzubringen hatten, und die sie aus den oben ange-gebenen Gründen von ihren Mitgliedern erhielten. Die Kirche, der die früheren

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