Gottscheer Putscherlein
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mittelalterliches Trink-
und Pilgerfäßchen
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( Mit 1 Figur und 5 Abbildungen auf Tafeln)
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Von Maria Kundegraber, Stainz
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Die Beschäftigung mit der Gottscheer Volkskunde verdanke ich einer An-regung des Jubilars; so möge ihm ein Detail aus dieser Arbeit gewidmet sein,zumal Leopold Schmidt auch in vielen seiner gerätekundlichen Arbeiten mittel-alterliche Bildquellen herangezogen hat ¹).
Das Trinkfäßchen, das mit Wasser oder Wein gefüllt zur Arbeit auf dasFeld mitgenommen wurde, darf förmlich als„ Attribut" der Gottscheer ange-sprochen werden. Es erscheint kaum eine überschauende Abhandlung oder einBuch über diesen einst deutschen Landstrich in Südkrain und seine Bewohner,in denen nicht ein Gottscheer oder eine Gottscheerin mit dem Fäßchen abgebil-det ist. Das beginnt bei der frühesten überkommenen Darstellung bei Valva-sor und reicht bis zu den Gedenkbänden und-schriften unserer Zeit 2). DerTopographie Valvasors ist ein Kupferstich beigegeben, der u. a. einen Gottscheerzeigt, der offensichtlich auf der Wanderschaft begriffen ist, wofür der über denRücken gehängte Sack spricht, bei dem es sich möglicherweise um einen leder-nen Rucksack mit einem Träger, wie er bis um die Jahrhundertwende üblichwar ³), handelt. Der Mann hält in seiner linken Hand wie anbietend ein kleinesgebundenes Fäßchen, an dem beiderseits je zwei Reifen und oben eine Füll- undTrinköffnung zu erkennen sind. In der Rechten hat er vermutlich an einemTragbügel zwei Fäßchen, bei denen man Gruppen von je vier Reifen zählenkann( Fig. 24). Aus erhaltenen Beispielen wissen wir, daß es sich um Holzreifenhandelt; Eisenreifen sind von den Gottscheern erst ganz spät und immer nochneben Holzreifen für die Gebinde verwendet worden. Angesichts dieser Abbil-dung erinnern wir uns daran, daß derselbe Autor ausführlich über die Erzeu-gung von Holzwaren aus sechzehn Gottscheer Dörfern berichtet hat:„ Alt Kir-chen steht in der Gottschee. Der Einwohner dieses Dorffs redet Gottscheerisch,welches eine eigne Sprache ist. Es hausen viel höltzerne Teller- und Schüsseln-Macher daselbst, wie auch solche Arbeiter, welche Scatullen( oder Schachteln),Bütschelen 4), Sieber, Reiter, Mülterlein verfertigen, oder sonst allerleyHoltz verarbeiten, und solche Arbeit hernach sowol auf dem Puckel als auch biẞ-weilen auf dem Rößlein nicht allein am gantzen Lande herum- sondern auch weitin andre benachbarte Länder tragen." 5) Altkirchen ist Mitterdorf bei Gottschee( im Slowenischen gleichfalls Stara Cerkev genannt). Dieselbe Erwerbstätigkeitwird aus Altlag, Graflinden, Hasenfeld, Hinterbach(= Hinterberg), Hoheneck,Oberloschin, Unterloschin, Malgern, Mösel, Mooswald, Nesselthal, Rieg, Schal-kendorf, Tschermoschnitz und Zwischlern berichtet 6). Es fällt dabei auf, daß
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