Das Getreideausschlagen in der Steiermark
Befragungsergebnisse
( Mit 4 Figuren und 2 Karten im Text sowie 4 Abbildungen auf Tafeln)
Von Maria Leiner, Graz
Mit der Weiterentwicklung und Verbreitung der landwirtschaftlichen Ma-schinen wurde das in der ganzen Steiermark gebräuchliche Dreschen mit demDreschflegel und die älteren Methoden des Getreideausschlagens verdrängt.Letztere Arbeit verschwand fast völlig. Ausgenommen blieben noch jene Ge-genden, in denen man die unverletzten Strohhalme vor allem zum Decken derDächer benötigte.
Das nachfolgend wiedergegebene Material stellt das Ergebnis einer Er-hebung über das Getreideausschlagen in der Steiermark dar, wobei den zudieser Arbeit verwendeten, bisher nur wenig beachteten Geräten ein besonde-res Augenmerk zukommt. Aus stichweisen Befragungen der Göthschen Topo-graphie von 1812/14, den unveröffentlichten handschriftlichen Aufzeichnungenvon P. Romuald Pramberger( 1877-1967), Stift St. Lambrecht, und aus mei-nen eigenen Aufnahmen seit 1968 ergeben sich für die Steiermark vorläufignachstehende Belege für den Arbeitsvorgang des Getreideausschlagens und dieTypen der entsprechenden Geräte und Hilfsmittel( vgl. Karte 3 und 4).
Den Arbeitsvorgang als solchen beschrieb P. Romuald Pramberger bei-spielsweise aus der Krakau bei Murau( Band Volkskunde 35, Ergänzung IX,S. 320)( Fig. 14).
Ortsbelege für den Arbeitsvorgang und die Geräte beim GetreideausschlagenStadt Graz
1. Lustbühel, Gemeinde Graz. Gewährsperson: Luise Macher, Graz 1970. Korn,Gerste und Weizen wurden hier bis zirka 1910 auf einem entrindeten, mit vier einge-zapften Beinen versehenen Baumstamm ausgeschmissen, der in der Tenne aufgestelltwurde. Nach dem Ausschlagen putzte man mit einem„ Prügel" ab, weil das in manchenFällen noch nachfolgende Dreschen dadurch leichter war. Diese Arbeit verrichteten dieFrauen. Ausgeschmissen wurde im Winter. Die„ Ausschmeisser" kamen aus dem Bur-genland und gingen von einem Hof zum anderen.
2. Messendorfberg, Gemeinde Graz. Theresia Wagner, Graz 1969. Auf einem um-gelegten Halbenfaẞ wurden Korn, Hafer, Gerste und Weizen in der Tenne ausgeschla-gen, indem man die Garben fest beim Bandl hielt. Nachher streifte man die Ährenmit einem ,, Tremmel", einem Hartholzprügel, der vorne dicker und hinten dünner war,ab, die Garben wurden dabei nicht aufgelegt, sondern frei in der Hand gehalten. Dasauf den Boden fallende Rittstroh drosch man anschließend mit dem Flegel aus. Weres sich leisten konnte, nahm für diese Arbeit„ Heanzen", Erntearbeiter aus dem Bur-genland, auf. Die Fugen in der Tennwand wurden mit Decken verhängt, damit die
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