Die steirischen Eggen
Übersicht und Bestandsaufnahme
( Mit 8 Figuren und 1 Karte im Text)
Von Hanns Koren, Graz
Vorbemerkung
Neben dem Pflug hat die Egge im bäuerlichen Inventar ihren festenPlatz ¹). Bei der Bearbeitung des Ackerbodens geht sie dem Pflug voran, indemmit ihrer Hilfe zunächst das Brachland grob gesäubert wird. Dabei verteilt sieaber auch den in kleinen Hügeln niedergelegten Dünger, so daß dieser vomPflug mit einiger Gleichmäßigkeit zerstreut zwischen und unter die aufgewor-fenen Furchen gebracht werden kann. Auf dem gepflügten Acker wartet wiedereine zweifache Arbeit auf die Egge: sie hat erstens die zu größeren Klumpenverhärteten Schollen zu zerkleinern und zweitens die Rillen und Schollen-bänke gleichzumachen und so das ganze Ackerfeld einzuebnen. Ist das Saat-gut ausgestreut, hat eine weitere Schicht die Aufgabe, den Samen unter dieErde zu bringen.
Daneben ist die Egge auch ein Gerät der Wiesenpflege, wenn es gilt, denBoden für einen gedeihlichen Graswuchs von umliegenden Steinen und an-derem Unrat zu reinigen.
Die Egge und ihr Gebrauch sind im ganzen Land verbreitet. Es treten aberUnterschiede hervor in der Benennung, mehr in der äußeren Gestaltungdes Gerätes, es gibt auch Abweichungen der Arbeitsweise, und es gibt Ver-schiedenheiten bei den Bestandteilen des Gerätes. Es gilt, sie alle in einenZusammenhang zu bringen und aus diesem eine räumliche Ordnung abzulesen.Im großen und ganzen handelt es sich bei dieser Arbeit um eine Bestands-aufnahme im freien Feld der Gegenwart. Sie stützt sich aber auch auf etlicheurbariale Aufzeichnungen für die früheste erreichbare Zeit, vor allem auf dieUntertaneninventare, die uns vom ausgehenden 16. Jahrhundert bis zum Be-ginn des 19. Jahrhunderts ein nahezu geschlossenes Bild von den Arbeits-geräten auf steirischen Bauernhöfen geben. Für die erste Hälfte des 19. Jahr-hunderts bieten uns die Zustandsschilderungen der Filialen der k. k. Landwirt-schaftsgesellschaft in ihren Verhandlungen und Abhandlungen seit 1819( VaL.)und die mit ihnen verwandten Bezirksbeschreibungen, die unter dem Namen,, Göthsche Serie"( G. S.) im Steiermärkischen Landesarchiv zusammengefaßtsind, eine wertvolle Quelle. Beide gehen auf Anregungen Erzherzogs Johannzurück. Spiegeln sie uns die Verhältnisse der genannten Zeit mit erwünschterGenauigkeit wider, so geben sie uns zugleich ein treues Bild für manche vor-
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