Dieses Bildfeld enthält zwei Szenen. Rechts sieht man Adam, wie er miteiner Axt einen Baum entastet. Dem knorrigen Stamm nach zu schließen,könnte es sich um einen Olivenbaum handeln. Die Bewohner der Insel Gotlanddürften zu ihrer Zeit angesichts dieser Darstellung aber eher an die Tätigkeitdes Einsammelns von Laubfutter gedacht haben. Die Abbildung der Axt, diesich in derselben Form noch auf einem anderen Taufstein wiederfindet, be-reichert in wertvoller Weise unsere mangelhafte Kenntnis des alltäglichenWerkzeugs dieser Epoche 5). Auf der anderen Seite des Baumes sitzt Eva undspinnt mit Hilfe einer Spindel, die sie mit der rechten Hand betätigt, währendsie mit der linken an dem zwischen den Knien gehaltenen Spinnrocken zupft,wie dies auch von anderen Bildern des frühen Mittelalters her bekannt ist undauch heute noch in einigen altertümlich verbliebenen Gegenden durchausüblich ist 6).
Unter dem Gewölbebogen ganz auf der linken Seite sieht man wiederumEva, wie sie mit einer Keule auf dem Boden Erdklumpen zerschlägt 7). Sie hatbei dieser Arbeit das Haar aufgelöst, während sie als Spinnerin es offensicht-lich zu Zöpfen geflochten trägt. Vielleicht wird damit angedeutet, daß es sichim einen Fall um eine Verrichtung im Hause, im anderen aber um eine Arbeitim Freien handelt. Adam wie auch Eva tragen Lendenschurze. Das Reliefwie im übrigen der ganze Stein zeigt Spuren ehemaliger Bemalung, die ver-mutlich nachträglich im 17. Jahrhundert aufgebracht wurde. Der Keulenkopfwar demnach schwarz angemalt, was zu dem irrigen Schluß führte, daß dieseraus Eisen gewesen sei. Die Erdkeule ist schon in den Bildern des LuttreePsalters aus dem 14. Jahrhundert nachzuweisen und stellt ein durchaus ge-läufiges Gerät in der Landwirtschaft dar, sowohl in Skandinavien wie auchsonst in Europa 8). Zwischen Adam und Eva ragt von oben die Hand Gottesherab in der für diese Zeit charakteristischen Gebärde, wie sie auch auf einemanderen Bild dieses Taufsteines noch einmal vorkommt.
Adam seinerseits bearbeitet den Boden mit einem asymmetrischen Spaten,dessen Schaft mit einer Krücke versehen ist. Der Absatz des Spatenblattesist linksseitig. Adam tritt mit dem rechten Fuß auf diesen Absatz, während ermit der rechten Hand den Spatenstiel hält und seine Linke an die Krückegelegt hat. Es sieht so aus, als ob der Bildhauer andeuten wollte, daß das spitzeSpatenblatt mit Eisen beschlagen war.
Dieses Spatenbild auf dem Taufstein von Vänge ist der älteste bekannteBeleg für den Gebrauch dieses Gerätes in den nordischen Ländern, wenn mansich der Meinung von Erik Lundberg anschließt, daß ein anderer Taufsteinmit einer sehr ähnlichen Darstellung aus der Kirche Östra Vemmenhögs inSkåne nicht älter sei. Er betrachtet nämlich den Taufschein von Vängeals das Erstlingswerk Hegwalds 2). Ganz abgesehen von der höheren Qualitätder Darstellung von Adam und Eva auf dem Vänger Stein, sind auch gewisseUnterschiede in der uns hier interessierenden Szene festzuhalten. So werdenin Östra Vemmenhög die Figuren nackt gezeigt, was nach den üblichen ikono-graphischen Regeln bedeuten dürfte, daß sich das erste Menschenpaar im Zu-stand vor dem Sündenfall befand, was auch zutrifft 10). Es fehlt auch diewachende Hand Gottes. Soweit aus dem ungenügenden Bildmaterial hervor-geht, ist außerdem der Absatz des Spatens nach rechts gewandt. Zum Unter-schied vom Spaten auf dem Taufstein von Vänge ist hier die Krücke deutlich
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