Die brabantischen Bauernunter Kaiserin Maria Theresia
Von Karel C. Peeters, Antwerpen
Durch den Frieden von Utrecht( 1713) kamen die südlichen Niederlandezu Österreich, nachdem sie seit 1555 Spanien angehört hatten. Sie blieben beiÖsterreich bis zur Einverleibung Belgiens durch Frankreich infolge des Ver-trages von Campo- Formio( 1797). Eigentlich waren die Franzosen hier vorherschon Herrscher, nachdem Jourdan in Fleurus die Österreicher geschlagenhatte( 1794). Die Regierung der österreichischen Habsburger( 1713-1794) warfür Belgien im allgemeinen heilsam, auch wenn ein Unterschied zu machen istzwischen einer ersten, weniger günstigen Periode, die bis 1748 dauerte, undeinem zweiten, sehr glücklichen Abschnitt, der ungefähr mit der Regierungder Kaiserin Maria Theresia, von 1740 bis 1780, zusammenfällt.
Vor allem auf dem Lande, wo infolge der Kriege und der schlechten Ern-ten die Bevölkerung stark zurückgegangen war, zeigte sich eine günstige Um-kehr. Die Landwirtschaft wurde gefördert. Fiskalische Vorteile wurden denBauern erteilt, die Heideland mit Jungwald bepflanzten, Sumpfgebiete trocken-legten und neue Felder anlegten. Man erlebte tatsächlich das Ende des feuda-len Regimes und der Herrschaft der Großgrundbesitzer. Die Bauern bekamendie Gelegenheit, ihre Höfe, die sie bis dahin gepachtet hatten, in Eigentum zuerwerben. Die Anzahl der kleinen Landbesitzer stieg in Flandern und in Bra-bant, vor allem im Waasland und in den Kempen.
Die Bauern hatten sich vor allem mit dem Getreidebau befaßt. In denSandgegenden kannte man reichliche Roggenernten. Neben dieser Getreideartwurden auch andere Gewächse, wie Gerste und Hafer, in erheblichem Maßeangebaut. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verdrängte die Zuchtvon Kartoffeln die von Buchweizen. In den mageren Sandböden wuchs derBuchweizen, der es dem Bauer ermöglichte, seinen täglichen Bedarf an Mehl-speisen zu ergänzen, einstweilen den Roggen zu sparen. In den KempischenBauernfamilien aß man täglich Pfannkuchen aus Buchweizen als Frühstück,und die sparsame Hausfrau kochte abends Milchsuppe mit Buchweizenmehl,einen kräftigen süßlichen Brei in dem der Löffel stehen bleibt. Ein großer Vor-teil war außerdem, daß der Buchweizen nicht viel Dünger brauchte und aufmageren Sandböden doch noch eine gehörige Ernte einbrachte. Die Kartoffelwurde seit Beginn des 18. Jahrhunderts in unserem Land angebaut. Nach demstrengen Winter 1739/40 rettete er die Bevölkerung und vor allem die kleine-ren Bauern und bedürftigen Leute von den schlimmsten Folgen einer Hungers-not. Ein Plakat, erlassen am 15. Oktober 1740, um den Nahrungsmangel zu lin-dern, untersagte die Ausfuhr jeglicher Lebensmittel. Zum ersten Mal wurde ineinem Plakat die Kartoffel erwähnt. Daraus geht hervor, daß die Kartoffel
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