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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
Entstehung
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lich nur die Flügel übrig geblieben sind

aber sonst ist sie ganz und gar,, verhäuslicht". Vor allem durch eine aufgemalte Schürze ist sie zu einer irdi-schen Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau" geworden, vollbusig, hochhüftig, langröckig" 28), wie sie vomDrechsler am einfachsten aus der Dockenform zu gestalten ist. Karl EwaldFritzsch hat aufgewiesen, daß dieser Typus der heute so weitverbreitetenEngelfigur wahrscheinlich nach Mustern aus dem Süden, aus Franken, dasmit dem Erzgebirge seit alters zahlreiche bergbauliche und wirtschaftlicheVerbindungen hatte 29), ausgebildet worden ist; jedenfalls ist sie viel jüngerals die alte bodenständige Lichtträgergestalt des Bergmanns: Das Muster,das dem( erzgebirgischen) Drechsler als Vorlage gedient haben könnte, findenwir in der Faltschnittform des Nürnberger Rauschgoldengels" 30). Schon 1830läßt sich an den Figuren auch die Schürze feststellen, die Fritzsch zwar nichtals hausfrauliches Merkmal", aber als modisches Ausstattungsstück" derdamaligen Kleidung interpretiert 31). Die Koppelung von Bergmann und Engel,die Assimilierung von irdischem und himmlischem Partner in der äußerenGestalt, führte neben der Schürze zu einem weiteren Element der Säkulari-sierung: die Engelskrone wird durch den grünen Schachthut des Bergmannsersetzt, eine Formveränderung, die zugleich auch den Herstellungsprozeß ver-einfacht. Aber im Weihnachtsbrauch greifen christliche und weltliche Kom-ponenten an sich so sehr ineinander, daß durch derartige Entwicklungenkeinerlei Bruch entsteht: die Engelfigur hat trotz ihrer säkularisierendenAttribute noch immer nicht den transzendenten Schein verloren, und in sei-nem Glanz steht auf der anderen Seite auch die Arbeitergestalt des Berg-manns als ein Teil des festlichen Figurenwerks der Weihnachtsstuben im Erz-gebirge.

und

Einen weiteren Einstieg in das Gewebe der Überformungs- und Aus-tauschvorgänge ermöglicht unter anderem auch die Montansagenüberlieferungdes Erzgebirges 32), in der an vielen Stellen ebenfalls christliche-zwar in evangelisch- katholischer Polarität und säkularisierte Elementedurchdringen.

Ein beachtlicher Akzent innerhalb der zahlreichen Erzählungen vonspektakulären bergbaulichen Funden liegt im Erzgebirge auf Geschichten,deren Thema die Fundweisung durch Träume ist. Das einschlägige Sagengut,das vor allem im Annaberger Raum beheimatet ist, geht weithin auf die Berglegende" vom Propheten Daniel als Erzfinder und Montankundigen zu-rück und weist damit eindeutig auf Einwanderung aus dem Süden, denndieser Traditionskomplex ist im Alpenraum lebendig geworden und hat seinegroße Ausprägung seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts insbesonderein Tirol gefunden. Die aufschlußreichen Abwandlungen, die die Geschichtedabei erfahren hat, stehen ohne Zweifel in Zusammenhang mit ihrem Über-gang in den protestantischen Lebenskreis. Als evangelisches Predigtmärleinbei dem lutherischen Bergmannspfarrer Mathesius mit lehrhafter Nutzanwen-dung und humorvollen Einschiebseln versehen verliert sie im weiteren Ent-sakralisierungsprozeß den Legendencharakter immer mehr, indem die Gestaltdes Propheten sich zum einfachen Bergmann wandelt und der fundweisendeEngel in den Hintergrund tritt bis zu seiner Eliminierung. Der Zusammen-hang mit dem Schutzpatron der Knappen geht, Hand in Hand mit dem Ab-bau des Heiligenwesens überhaupt, im Volksbewußtsein zwar verloren, aber

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