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lich auch, ob dahinter superstitiöse Gründe wirksam waren, denn der Weih-rauch war ja ein gängiges apotropäisches Mittel 24), oder ob vor allem dieFreude an der Steigerung der festlichen Stimmung und Atmosphäre aus-schlaggebend war. Jedenfalls sorgt landauf, landab in den Häusern des Erz-gebirges der Duft der„ Räucherkerzeln" dafür, daß das„ Weihnachtsarom"den festlichen Charakter unterstreicht, wie es in dem bodenständigen volks-tümlichen ,, Heiligobndlied", das seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhundertsbekannt ist, heißt:„ Nu zünd' e Weihrauchkerzel a, dos nooch Weihnachtenriecht." Dafür, daß hier der homo ludens mit am Werk war und immer mehrist, spricht auch das Faktum, daß inzwischen die aus Holz gedrehten undgeschnitzten buntbemalten„ Räuchermänner", in deren hohlem Leib die ent-zündeten Weihrauchkerzchen wie in einem Rauchkessel glimmen undaus deren offenen Mündern, in denen eine Pfeife steckt, der Rauch aufsteigt,zu allgemein bekannten und beliebten Weihnachtsfiguren geworden sind, miteiner breiten Skala von verschiedenen Formen, die die Verspieltheit desBrauches offenbaren. An erster Stelle stehen„ Türken" und„ Rastelbinder".Auch hier zeigt sich die Freude am Import aus dem Süden, verbunden mitdem Vergnügen am„ Exotischen Glossar ::: zum Glossareintrag Exotischen". Die Figur des Türken„ im langen rot-goldenen Mantel mit einem weißen Turban" ist offensichtlich unter demEinflußtrend aus Österreich in der erzgebirgischen Volkskunst heimisch ge-worden, übrigens nicht nur als Typus des Räuchermannes, sondern auch alslichttragende Weihnachtsfigur( so werden noch heute in Ehrenfriedersdorfsogenannte„ Lichtertürken" in traditionsgebundener Weise geschnitzt) 25). Umden ,, Rastelbinder" weht ebenfalls der Hauch des„ Fremden", nämlich derwandernden Händler aus der Slowakei, die früher regelmäßig mit Draht-,Blech- und Topfwaren hausierend ins Erzgebirge kamen und zugleich auchals geschickte Reparateure bekannt waren 26). Der Hauptort für die erz-gebirgische Räucherkerzelherstellung ist Crottendorf; wie groß die Nachfragenoch heute ist, zeigen die dortigen Produktionszahlen: 1968 werden mehr als25 Millionen jährlich angegeben; noch mehr, jährlich über 40 Millionen, stelltneuerdings die Firma Zwetz in Mohorn bei Freital her.„ Der beliebte Weih-nachtsartikel ist auf dem Markt in roten, schwarzen und grünen Farben er-hältlich, mit Weihrauch-, Lavendel-, Ambra-, Sandelholz- oder Fichtennadel-duft. Früher geschah ihre Herstellung manuell, jetzt ist sie automatisiert.Eine Teigmasse ist die Grundlage. Sie enthält Weihrauch, Balsam, Mastix,Lavendelblüte, Kaskarillrinde, Kumarin und andere Substanzen als Duftstoffe,Holzmehl von Rotbuche, Holzkohlenstaub und Kartoffelstärke als Binde-mittel" 27). Die große Ausweitung der Duftstoffe dokumentiert den weiterenProzeß der Säkularisierung.
Auch die Gestaltung des Engels, der im Weihnachtsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Weihnachtsbrauchtum des Erz-gebirges als Gegenstück zur alt- und allverbreiteten lichttragenden Bergmanns-figur Mode geworden ist, stand von seinem Aufkommen an unter säkulari-sierenden Prozessen. Der Lichterengel ist vor allem in gedrechselter Form,aus einer Holzwalze herausgearbeitet, verbreitet worden; in dieser Typisie-rung ist er seit dem frühen 19. Jahrhundert bis heute lebendig und beliebtgeblieben, abgewandelt durch Stilisierungen der Grundform im jeweiligenZeitgeschmack. Im allgemeinen treten dabei Engel und Bergmann als Paarauf, in einer Konstellation, in der von der„ himmlischen Erscheinung" eigent-
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