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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
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Ausstellung und Museum im Dienste der Wissenschaft

Von Rupert Feuchtmüller, Wien

Die wenigen Zeilen sind kein Beitrag zum eigentlichen Fachgebiet des Jubi-lars und doch berühren sie einen nicht unwesentlichen Bereich seiner Tätig-keit. Vor allem will der Autor, der als Student im Österreichischen Museumfür Volkskunde von Prof. Dr. Leopold Schmidt im Rahmen von Museums-kunde- Vorlesungen, für diese Fragen interessiert wurde, seine Dankbarkeiterweisen und jene Gedanken, die für die eigene Arbeit wichtig waren, fest-halten.

Die Gestaltung musealer Ausstellungen bedeutet wissenschaftliche Dar-stellung mit optischen Mitteln, ein Wieder- und Neugewinnen der Vergangen-heit für das Leben. Zum Großteil haben jene Gegenstände, die man in denMuseen verwahrt, ihre ehemalige Bedeutung und Funktion verloren; doch siewurden als etwas Besonderes erkannt, bewahrt und gesammelt, wobei fürihre Erhaltung irgendeine Komponente, oft nur eine recht äußerliche, maẞ-gebend sein konnte. Ausstellen trägt die Verpflichtung der Erforschung insich; zur Erscheinung hat der neu- und wiedergewonnene Inhalt zu treten.Beides bedingt entsprechende Anordnungen im Raum, geistige und optischeNachbarschaft. Diese Zusammenhänge, von Leopold Schmidt an einem kon-kreten Beispiel einer Ausstellung erörtert, haben uns Studenten erst gezeigt,was ein Museum sein kann: nämlich keine aus historischen Ressentiments ent-standene Verlegenheitslösungen, keine Depots einer Vergangenheit, die unsin ihrer Existenz doch nicht mehr zu berühren vermag, sondern Forschungs-und Lehrstätten der Gegenwart. Wer in Museen Leichenkammern sieht, der istüber eine oberflächliche Betrachtung nicht hinausgekommen und ist in einemMißverständnis befangen. Die Aufgabe der Museen kann es niemals sein, dieRealität der Vergangenheit zu beleben. Rekonstruktionen dieser Art bliebenKuriositäten, die weder der Vergangenheit noch der Gegenwart nützten. Derlebendige Weg führt nur über die geistigen Bereiche.

Die erste Aufgabe, die einer Ausstellungsvorbereitung vorangehen soll,ist die genaue Erforschung der Gegenstände und eine intensive Kenntnis desgewählten Themas. Aus der Gegenüberstellung von Thema und vorhandenenAusstellungsgegenständen ergibt sich erst die weitere Arbeit. Das Museumder Objekte" wird- wie ich es schon vor Jahren schlagwortartig bezeichnethatte- zu einem Museum der Idee." Darunter kann man nun zweierlei ver-stehen: Erstens soll eine Ausstellung jene Ideen, die gleichsam in den Gegen-ständen ruhen, herausheben, sichtbar machen und weiterführen; zweitens sol-len Zusammenhänge, die das Thema erfordert, die aber in den zur Verfügungstehenden Gegenständen nicht genügend sichtbar sind, dargestellt werden. Dieerste Forderung wird sich durch wissenschaftliche Vergleiche erfüllen lassen.Es können dies Entwicklungsreihen, thematischer Wandel, Formwandel oder

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