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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
Entstehung
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Eine wertvolle Ergänzung zur Frage der Freizeit- Gestaltung" bieten dieseit der Urnenfelderkultur bekannten Spielknochen und Spielsteine 36), töner-nes Kinderspielzeug aber kennt man in Gestalt der Pfeif- Pferdchen 37) und Tur-nier- Pferdchen 38). Was einmal aus Holz geschnitzt 39) oder aus Stroh geflochtenwar, wird nur in besonderen Ausnahmefällen bei guten Erhaltungsbedingungenfaẞbar sein. Auf die Frage der in Holz geschnittenen Haus- bzw. Viehmarken 40)wurde schon seinerzeit bei Behandlung der Kerbhölzer von der Kelchalm hin-gewiesen, mittelalterliche oder frühneuzeitliche Belege sind aber seither nichtbekannt geworden.

Mit seiner Bearbeitung antiker und mittelalterlicher Pflugscharen 41) hatL. Schmidt selbst einen wichtigen Beitrag zur Volkskunde aus dem Bodengegeben und diesen durch die von ihm intensiv betriebene Spatenforschungerweitert 42). Auch der Frage der hölzernen Brettschaufeln 43), deren historisch-archäologische Formenkunde wieder nur unter besonderen Erhaltungsbedin-gungen erarbeitet werden kann, hat er seine Aufmerksamkeit geschenkt undsie durch die Kombination von Bildzeugnissen und Originalen beispielhaftergänzt 4). Nicht minder bedeutungsvoll ist aber dann auch der Versuch einerDeutung von Darstellungen auf Fundmünzen in volkskundlicher Hinsicht 45).Die Bedeutung solcher Funde für die zeitliche Zuordnung der mittelalterlichenKeramik 4) ist ja seit langem schon bekannt.

Die in den letzten Jahren intensivierte archäologische Untersuchung vonKirchen hat bemerkenswerte baugeschichtliche Einzelergebnisse erzielt unddamit auch wichtige Fortschritte auf diesem Forschungssektor vermittelt.Doch haben sie sich vorwiegend auf die Gebäude selbst beschränkt und kaumdas umliegende Gelände erfaßt. So geben also diese Untersuchungen vorläufigkeine weiteren Hinweise auf Fragen der religiösen Volkskunde, wobei manvorerst an Votivgaben jeglicher Art denkt, etwa aus Eisen wie die Leonhardi-figuren 47) oder aus Wachs 48), aber auch an Weihe- Inschriften auf Stein sowiean religiöses Symbolgut, das früher einmal doch von wesentlich größererBedeutung gewesen sein wird als in den letzten zwei Jahrhunderten. L. Schmidthat einmal auf die Bedeutung der modernen Volksglaubensforschung für dieUrgeschichte 49), beziehungsweise für das echte Verständnis urzeitlicher Quel-len einschlägiger Art aufmerksam gemacht: wie notwendig schiene es also,solche Verbindungen zwischen einst und jetzt durch weitere Quellen zu vertie-fen, um eine über Jahrhunderte reichende Kette in ihren wichtigsten Gliedernerfassen zu können.

Mit den vorstehenden Bemerkungen sollten bloß einige Hinweise zusam-mengestellt werden, um zu zeigen, daß eine Volkskunde aus dem Boden-wer es gelehrter" ausdrücken will: eine Folklore- Archäologie- eine frucht-bringende Zukunft vor sich hat. Besonders dann, wenn sie sich einer gewissen,methodisch wohl notwendigen Systematik bedient. Vorläufig aber schiene eineBestandsaufnahme dessen notwendig, was bereits ergraben und thematischgeordnet in kleinen Einzelveröffentlichungen vorgelegt wurde. Einiges davonist in den Anmerkungen zusammengestellt vielleicht als eine Keimzelle füreine umfassende Bibliographie, vorläufig etwa einmal für Mitteleuropa. Dochwäre es aussichtsreich, mit Hilfe dieser Literatursammlung einen nach the-matisch- chronologischen Gesichtspunkten geordneten Atlas alles dessen anzu-

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