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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
Entstehung
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Erzeugung von Krautstrünken" beispielsweise, die sicher in keinem besserenHaushalt damals gefehlt haben werden, mangelt es noch an Hinweisen ausdem Boden.

Die Anfertigung von Stroh- 23) und Holzgefäßen gehört in den Bereich desvolkstümlichen Handwerkes, mitunter sogar in jenen der bäuerlichen Selbst-versorgung, soweit es sich bei ihnen um einfache Gebrauchsobjekte handelt.Zur Holzgefäßtypologie durch Funde aus dem Boden etwas beizusteuern, wirdnur unter ganz besonderen Erhaltungsbedingungen gelingen, womit dann auchwertvolle Ergänzungen zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Drechslereiverbunden wären.

Spinnen und Weben sind eng mit der bäuerlichen Eigenversorgung ver-bunden. Zählt die Formenkunde des urzeitlichen Spinnwirtels mitunter zujenen Kriterien, die für eine zeitliche Zuordnung von Fundgut entscheidendsind, so gelingt dies mit Ausnahme des Specksteinwirtels im frühgeschicht-lichen Bereich kaum mehr. Im Bereiche der Volkskultur des hohen und spätenMittelalters sowie der frühen Neuzeit jedoch dürften diesbezüglich überhauptnoch keine Erfahrungen vorliegen, da es an entsprechenden siedlungskund-lichen Untersuchungen mangelt. Doch bezeugen drei, aus dem Küchenabfall-haufen von Jochbergwald vor kurzem geborgene Wirtelbruchstücke die Ver-wendung solcher Aufstecker an Holzspindeln, deren rezente Form sich vonjener der Urzeit wohl kaum unterschieden haben wird. Sie fundmäßig zu bele-gen, ist aber noch nicht gelungen, weshalb bildliche Darstellungen die Brückezu den reichen Musealbeständen an Spinnrädern und Spinnrocken bildenmüssen 24).

Die erst vor kurzem neu belebte Thematik um die Bedeutung und Verwen-dung der sogenannten Schlittknochen hat eine weitere Frage des volkstüm-lichen Handwerkes angeschnitten: jene der Gerberei im Rahmen bäuerlicherSelbstversorgung oder kleinhandwerklicher Betriebe 25). Es ist mir nicht be-kannt, ob und wie weit beispielsweise aus unserem alpinen Raum einschlägigeBeobachtungen über solche Knochenwerkzeuge vorliegen, wie auch die Ge-schichte der Lederbekleidung noch zu wenig untersucht worden sein dürfte.

Gleiches gilt für die Geschichte der bäuerlichen Mühle mit Hand- oderWasserradbetrieb. Den spätlatènezeitlichen Handdrehmühlen mit ihren eigensgeformten Bodensteinen und Läufern 26) sowie den großen radartigen Hand-mühlsteinen des 10. Jahrhunderts 27) dürfte man noch kaum jüngere Formenanschließen können. Was sich an Bauernmühlen des 18. und 19. Jahrhundertsbis vor wenige Jahre noch gehalten hat 28), ist zum größten Teil wohl schondem, technischen Zeitalter" und der Fremdenverkehrsindustrie" zum Opfergefallen. Ob es aber überhaupt gelingen wird, diese Quellenlücke noch zuschließen, wird man füglich zu bezweifeln haben 29).

Die Erforschung siedlungskundlicher Einzelfragen des Mittelalters 30) hatbereits mehrfach wertvolle und ihrem Inhalt nach auch bemerkenswerte Auf-schlüsse vermittelt. So gibt es Bodenbefunde für Hausanlagen selbst ³¹), auchvon einem Gemeinde- Backofen wird gesprochen 32). Hinweise auf die Art derWasserversorgung eines Dorfes bieten Reste von Brunnen 33). Fäkaliengrubenenthalten verschiedenen Hausrat aus organischer Substanz 34). Zur Frage derHausbeleuchtung vermag das Fundgut gleichfalls Einzelhinweise zu vermit-teln 35).

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