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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
Entstehung
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Geleitwort

Freunde und Schüler widmen diese Festschrift Leopold Schmidt zuseinem 60. Geburtstag. Sie sollte in ihrer Anlage und in der Summe der einzel-nen Beiträge ein Spiegel des in seiner zeitlichen, räumlichen und sachlichenThemenstellung so ungemein vielfältigen und reichen wissenschaftlichen Wer-kes des Gelehrten sein. Er selbst muß es beurteilen, wieviel von diesem Vor-satz gelungen ist.

Die eigentliche Festschrift hat er selbst geschrieben. Sie ist sein Werkver-zeichnis, das von der ersten kurzen Veröffentlichung des Studenten in dendreißiger Jahren in dichter Folge hinaufreicht bis zu den Publikationen, diedas wirkliche Mitglied der Akademie der Wissenschaften geschrieben hat. Esumfaßt 750 Titel, zu denen noch einmal soviel Rezensionen kommen. So wärees auch zu umfangreich, um in diesem Band aufgenommen zu werden. DieGelegenheit wird sich finden, es zu publizieren, es wird eine sehr lehrreicheDarstellung einer entscheidenden Phase in der Entwicklung der Volkskundesein. Indessen ist es nicht der Umfang allein, der uns anspricht und überzeugt.Es ist ein Menschenleben, das mit aller Leidenschaft und Intelligenz einerwissenschaftlichen Disziplin sich verschrieben hat und dem wir alle so viel anErkenntnissen, an Anregungen und Förderungen zu danken haben. Sinn dieserSammlung wissenschaftlicher Arbeiten ist es, dem Pionier einer aus nie ver-leugneter gelehrter Tradition sich entwickelnden Neuordnung der Volkskundeauf ihre eigentliche Aufgabe als Geisteswissenschaft hin, dem strengen undunbestechlichen Kritiker, dem Lehrer, dem Kollegen und Freund an einemfestlichen Höhepunkt seines Lebens eine aufrichtige Dankesschuld zu bekun-den.

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Wir verdanken ihm eine Definition der Volkskunde als der Wissen-schaft vom Leben in überlieferten Ordnungen-, mit der er sozusagen denNagel auf den Kopf getroffen hat. Es war ein erlösendes Wort, das endlichausgesprochen hat, um was es im Grunde immer gegangen ist. Keine Entleh-nung wissenschaftlicher Methoden und Fragestellungen von anderen Diszipli-nen aus der Sache selbst, aus der als Geisteswissenschaft sich verstehendenVolkskunde selbst, hat er das Selbstverständnis unseres Faches definiert. Eserwächst- wie schon angedeutet auch aus der Geschichte der Österreichi-schen Volkskunde, die Leopold Schmidt aus einer stupenden Sachkenntnisheraus geschrieben hat, das konventionell begrenzte Fachgebiet aber auseinem neuen Verständnis der Disziplin erweiternd. In ihr hat er den entschei-denden Anteil Österreichs an der Entwicklung der Volkskunde als literarischeund museologische Disziplin überzeugend dargelegt. Seine wichtigsten Ver-öffentlichungen, die in Buchform erschienen sind, galten seinen Spezial-( oderLieblings-) Themen, dem Volksschauspiel, der Volkserzählung, dem Volksglau-ben und Volksbrauch, dem Volkslied und der Volkskunst( besonders demBauernmöbel). Überblickt man aber auch seine zahlreichen kleineren Arbeiten,

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