Druckschrift 
Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

wie das Tuch der Veronika völlig verschwindet und der Kopf Jesu zu einemGefäße wird. noun nan box dibur janoz

Die vier folgenden Vergleichsstücke aus demselben großen Töpfer-bereiche zeigen etwas ganz anderes: das Tuch der Veronika bleibt in seinerGröße erhalten und das Antlitz Jesu darauf ist nur eine Zeichnung( 3, 4)oder es erhebt sich mit der Nase nur andeutungsweise zum Relief( 1, 2).Mit dem Tuche wird dahinter ein schmaler, flacher, taschenartiger Behälterfür das Weihwasser gebildet.

Veronika kniet auf einer Wolkenbank( 1, 2) oder auf einem Rokoko-schnörkel( 3, 4). Die zwei Stücke aus der ehemaligen Sammlung Walcher vonMolthein nähern sich dem gepflegten Kunstgewerbe( 1, 3), während die zweianderen Erzeugnisse urwüchsige Volkskunst sind( 2, 4).

1. Versteigerungskatalog v. J. 1917 der Sammlung Alfred Walcher vonMolthein, Nr. 60, Weihbrunn in Gestalt der auf einer Wolke knieendenVeronika. Farben: Grün, Ockergelb, Blau. Marke Stampfen 1760 undFayencemaler- Marke G. H., Höhe 26,5 cm; ganz ähnlich Nr. 61, MarkeStampfen 1801, Höhe 26,5 cm.

2. Šourek, Die Kunst der Slowakei, Nr. 1098, Weihbrunn. Veronika knietmit dem Tuche auf einer Wolkenbank, slowakisch, um 1790.

3. Versteigerungskatalog der Moltheim- Sammlung, Nr. 57, Weihbrunn,Veronika kniet mit dem Tuche auf einem mit einem Rosenzweige geziertenRokoko- Schnörkel. Das gezeichnete Antlitz Jesu auf dem Tuche hat keineDornenkrone. Hellgraue, rosenrote Bemalung( Wischau?), um 1800, Höhe28,5 cm.

dio 4. K. Černohorský, Moravska lidová keramika, Prag o. J., Nr. 179.Veronika in nonnenähnlicher Tracht kniet auf einem Rokoko- Schnörkel mitder Bezeichnung: S. Veronika. Ann( o) 1821, Wischau, Höhe 23 cm.

b Diese Veronika weicht von den drei eingangs genannten Stücken be-trächtlich ab( Tafelbild 27). Der symmetrische Aufbau ist verlassen. Veronikahält das hier reichlich große Tuch bei einer schreitenden Bewegung nachrechts und dem entspricht als Gegenlinie ein Stück des nach links flatterndenSchultertuches. Das zierliche Köpfchen ist plastisch gut durchgearbeitet, viel-leicht ein Abdruck mittels Models. Um eine neue Wirkung zu erzielen,wurden Stellen ohne Glasur belassen und nachträglich mit Ölfarben bemalt.Dazu gehören der Kopf, die Haare( braun), die unbekleideten Körperteile,das wenig erhobene Antlitz Jesu, mit vielen Blutstropfen reichlich bemalt,das Kopftuch( hellgrün), das Schultertuch( rot). Glasiert ist nur das Kleid( weiß), ein Rosenzweigmuster wurde nachträglich darauf gemalt. Der Weih-wasser- Behälter hinter dem Schweißtuche ist flach zusammengedrückt. Diezwei hervor schauenden Fußspitzen sind abgebrochen.

Diese Töpferarbeit ist nicht mehr so urfrisch wie die vorhergehenden.Sie will bereits Kunstgewerbe" sein.

22,3 cm hoch, Töpfermarke I V. Inv. Nr. 11.272 des Österr. Mus. f. Volksk.in Wien; stammt aus der Sammlung von Luise v. Gufmann.

Über die Herkunft dieser ehemals im niederösterreichischen( Stampfen),mährischen und slowakischen Raume verbreiteten Leitgestalt können wirderzeit mangels eines ausreichenden Vergleichsstoffes nichts aussagen. Dasälteste gegenwärtig zur Verfügung stehende Vergleichsstück ist eine Por-zellan- Relieffigur aus der Wiener Porzellan- Manufaktur des C. J. DuPaquier aus der Zeit 1725-35 im Besitze des Österr. Museums für ange-

114