Die Arbeit, die mit ihrer staunenswert schwungvollen und dabei ge-nauen Durchführung der Vergangenheit angehört, dürfte albanischer Her-kunft sein.( Österr. Museum für Volkskunde in Wien, In. Nr. 50,453.)
Dies Kopftuch ist wohl ein Hochzeitstuch.
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Aus Zypressenholz wurdenin den Küstenlandschaften an der Adria bis nach Griechenland die Hoch-zeitstruhen gefertigt, die an der Vorderwand in Reliefschnitzerei in mannig-fachen Abwandlungen immer wieder Zypressen, oft mit dem Spalt amStammgrunde 200), erkennen lassen. Eine Zypresse wird bei der Geburt einesMädchens als ihr Lebensbaum gesetzt. Bis in die althellenische Vergangen-heit reicht die an die Zypresse geknüpfte Überlieferung. Die Inschriftengoldener Täfelchen 201), den Mitgliedern orphisch- dionysischer Verbände als„ Totenpaẞ" ins Grab mitgegeben, sprechen von einer Zypresse in der Jen-seitswelt und dem kühlen Quellwasser( Lebenswasser) an ihrem Fuße, vondem die ankommenden Toten zur Stärkung trinken.
Wir haben noch kurz der bodenständigen Knüpfteppiche im Nordenzu gedenken, der ostpreußischen Kotze und der finnischen und schwedischenRya, die aus alter Zeit bis in unsere Tage herabreichen.
Die Ostpreußischen Knüpfteppiche wurden von Bauern hergestelltund ihre Verbundenheit mit dem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum hat sie bis in unsere Zeiterhalten. Dieses Erzeugnis des Hausfleißes war das wichtigste Ausstattungs-stück des heiratsfähigen Mädchens und erfüllt seine Aufgabe als Hochzeits-decke, als jene gemeinsame Decke, die das Brautpaar umfing, wodurch dieEhe nach altem Rechte erst als vollzogen galt. Im Zusammenhang damitstehen die einzelnen, scheinbar wahllos über die Fläche verstreuten Motive,die zu dem dramatischen Geschehen des„ Brautgewinnens" gehören, dasursprünglich, wie bereits erwähnt, gespielt wurde( Leich) und darin be-steht, daß der Held das ihm zugedachte Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib, die Herrin vom Lebensbaumund Lebensquelle, in der Außenwelt, im umhegten Haine, gewinnt, wohinsie ihn als gehörnte Hinde verlockt. Zu diesem Ablaufe, einem richtigen„ Brautlaufe", gehören die eingeknüpften Leitgestalten: der Torbau als derÜbergang von einer Welt zur anderen, der Hirsch, die weibliche Gestalt,das vereinte Paar und der Lebensbaum. Dieses Heilszeichen, das oft alleindas Mittelfeld füllt, erscheint in beiden Ausprägungen, als iranischer undals hellenistischer Lebensbaum, und öfters findet man beide in einem Stücke.
Eine Wolldecke vom Jahre 1799( Tafelbild 12) fällt durch ihre Musterungund besondere Merkmale auf 202). In die Hakenornamentik des Hauptfeldessind Lebensbäume mit gespaltenem oder verdicktem Fuße eingelassen. In denZwischenräumen der seitlichen Ränder gewahrt man, öfters wiederholt, denBräutigam mit der Kurzpfeife im Munde, in seiner Nähe einen Hund, undauf der anderen Seite ihm gegenüber die Braut im kegelförmigen Rocke.Entlang des unteren Randes ist eine Gesellschaft von Burschen und Mäd-chen unterhalb eines mächtigen Baumes zum Tanze angetreten. Wir zählenvon rechts fünf Paare mit je einem Tänzer und einer Tänzerin, die einander
200) A. Haberlandt, Volkskunst der Balkanländer, Wien 1919, S. 62, Abb. 35, 3.Truhenwand aus Kavaja, Albanien.
201) Sie reichen vom 4. vorchristlichen bis in das 2. nachchristliche Jahrhundert.O. Kern, Fragm. Orph. S. 104 ff. Näheres darüber in einer noch ungedrucktenArbeit„ Dionysos religion".
202) Konrad Hahm, Ostpreußische Bauernteppiche, Berlin 1937, Tf. 34; Doppel-gewebe, dunkelbraun und weiß, von einem Weber in Worschynnen i. Kr. Treuburghergestellt.
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