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Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
Entstehung
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Unsere Leitgestalt wird in der bunten Stickerei eines Bettuch- Besatz-streifens aus dem Burgenlande durch paarige Pfauen zu Seiten des Gefäßesund einen Doppelvogel( Doppeladler) auf der Spitze des Lebensbaumes ver-vollständigt 49).

In einer Goldstickerei von den Vierlanden 50) nimmt der Doppelvogel,der alles Heraldische abgestreift hat, die Mitte ein. In schönen Schwüngenschmiegen sich die gegenständigen Vögel darüber an. Gefäß, Blütenbaumund die drei Vögel füllen einen Halbkreis.

Eine bunte Stickerei an einem ungarischen Bettuche bringt gleichfallsdrei Vögel um das Doppelhenkelgefäß mit nelkenartigen Blüten 51). Dermittlere Vogel übertrifft die beiden seitlichen bedeutend an Größe.

Ein Vogel auf dem Lebensbaume ist in der Stickerei eines hessischenPrunkhandtuches aus Echtzell von 1823 zu sehen 52); ein gutes Beispiel hiefürbietet auch eine Tiefschnitzerei mit bunter Wachseinlage an der Rückseiteeines kleinen Spiegels aus Ungarn).

Hervorgehoben zu werden verdient eine rote Seidenstickerei auf weißemKissenbezuge aus Ungarn 54), welche die drei Bestandstücke, Gefäß, Drei-sproß und paarige Pfauen, ungemein schmuckreich und vorzüglich verteiltwiedergibt, wobei auf die natürlichen Größenverhältnisse gar keine Rück-sicht genommen wird.

Neben der dichten Füllung der Fläche finden wir auch ein lockeres Hin-streuen. Dies ist an der Schnitzerei des Schubdeckels eines Trüherls ausUlten in Tirol vom Jahre 1749 zu sehen 55). Zwei hahnartige Vögel sitzen aufZweigen über dem Doppelhenkelgefäße, von dem eine Ranke mit schütterverteilten Blättern und drei nelkenartigen Blüten an der Spitze ausgeht.

Ein durch Flachschnitzerei verziertes Mangelbrett mit einem Roẞ alsGriff vom Jahre 1776 aus Schweden 56), eine Minnegabe, zeigt ganz ähnlicheVerhältnisse( Textbild 2). Aus dem kesselartigen Gefäße mit zwei Henkelnwächst der Lebensbaum als Neunsproß mit einer Blüte an der Spitze empor.Zu Seiten der Blüte sitzen zwei Vögel, weiter unten wieder zwei mit einemDreisproß im Schnabel. Die Wand des Kessels ist durch einen Vogel in Treib-arbeit geschmückt. Darunter stehen Braut und Bräutigam, die mit einerHand nach dem Heiltume, dem Kessel, greifen. Zwischen ihnen sehen wirzwei schnäbelnde Vögel. Die Anlage entspricht weithin der auf dem stei-rischen Lebzeltmodel.

Verweilen wir noch etwas bei dem hochzeitlichen Lebensbaume, so stelltsich dem genannten schwedischen Mangelbrette eines aus dem Burgen-lande 57) vom Jahre 1752 zur Seite( Tafelbild 5), das folgende Anordnungaufweist. Auf einem Untersatze mit den Namensbuchstaben G M ruht das49) Österr. Museum für Volkskunde, Wien, Abb.: M. Haberlandt, Österreichi-sche Volkskunst, Tf. 21, Abb. 4.

50) Spieß, Der Lebensbaum in der Bauernkunst( Bausteine für Geschichte undMythenkunde, Wien, Bd. 6[ 1937], Tf. 5, Abb. 3); Vaterländisches Museum, Hannover.51) H. Th. Bossert, Ornamente der Volkskunst, Tübingen 1949, Tf. 34, Abb. 1;Kunstgewerbe- Museum Budapest.

52) A. Spamer, Hessische Volkskunst, Leipzig 1939, S. 69.

53) Bausteine, Bd. 6, Tf. 8, Abb. 10.

54) Samml. Lessner, Budapest; Bossert, Ornamente der Volkskunst, Tübingen1949, Tf. 34, Abb. 1.

55) Tiroler Volkskunst- Museum, Innsbruck.

56) Kirchspiel Näsinge, Bohuslän; Nordisches Museum, Stockholm, Inv. Nr. 57300.57) Österr. Museum für Volkskunde, Wien A. Haberlandt, Zur Darstellungdes Lebensbaumes( Wiener Zs. f. Volksk. Bd. 43, 1938, S. 33 ff., Tf. 2, Abb. 2b).

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