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Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
Entstehung
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Steperer, Commentarii) erhalten hat 28), gibt es eine Verkündigungsszene,bei der gleichfalls ein neunsprossiger Lebensbaum aus einem Doppelhenkel-gefäße entspringt.

Als Wegbereiter für den in bauerntümlichen Arbeiten erscheinendenLebensbaum im Doppelhenkelkruge haben vor allem Stickereien aus Frauen-klöstern vom Ende des 15. Jahrhunderts zu gelten.

Aufschlußreich sind Darstellungen der Einhorn jagd und des verschlosse-nen Gartens dieser Zeit, bei denen die Zahl der marianischen Sinnzeichenstark vermindert wird und schließlich dem Lebensbaume im Doppelhenkel-gefäße die Hauptrolle zufällt. Ein Altarbehang aus weißem Leinen mitWeiß- und Gelbstickerei, eine volkstümliche klösterliche Arbeit nach 1500( ehemals Berlin, Schloßmuseum) zeigt dies deutlich. Die Darstellung derEinhornjagd und des verschlossenen Gartens wird auf das Wesentlichstebeschränkt und dies sind nach der Auffassung der Stickerin der Behältermit dem Lebenswasser und der daraus entspringende Lebensbaum in Gestaltvon zwei Ranken mit stilisierten Blüten und Blättern. Diese Ranken um-schlingen zwei Gruppen, links den hornblasenden Engel mit drei Hunden,rechts das heranspringende Einhorn und die Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau mit aufgelöstenHaaren, die freudig die Arme geöffnet hat 29).mob tha

Auch auf dem Boden eines Messingbeckens vom Ende des 15. Jhdts.( National- Museum, München) ist der Bildgehalt des verschlossenen Gartensverkürzt. Zwischen dem Engel und der Maria sieht man den Lebensbaum alsGesprosse mit Lilien im Doppelhenkelgefäße über dem Rücken des Ein-horns 30).

Diese Darstellungen 31) sind vereinfachte Wiedergaben des verschlosse-nen Gartens mit der Einhornjagd und bilden eine Verbindung zu jenenDarstellungen der Verkündigung Marias, wo das Gefäß mit dem Gesprossevon Blüten zwischen Maria und dem Engel nicht eine schmückende Beigabe,sondern als der Hochzeitsbaum ein wesentlicher Bestandteil der ganzenDarstellung ist. Alle diese Versuche von Bildgestaltung wären unmöglich,wenn nicht im Untergrunde die volkstümliche Überlieferung von Lebens-baum und Lebensquelle bei hochzeitlichem Geschehen wirksam wäre.

Die spätmittelalterlichen Darstellungen von der Verkündigung Mariens,welcher Art sie sein mögen, sind ein Prüfstein für die jeweilige Haltung desKünstlers und seines Auftraggebers, denn wir können beobachten, wie ausdem Lebensbaume im Doppelhenkelgefäße zwischen den handelnden Ge-stalten eine blühende Pflanze in einem Blumentopfe auf einer Bank oderdem Fensterbrette wird, wie schließlich dort, wo der Künstler für ein nüch-ternes, reiches Bürgertum arbeitet, selbst von einer Blume im Glase keineSpur mehr zu finden ist. In Italien wird gelegentlich, wie in dem Bilde desCosimo Tura des 15. Jahrhunderts( Dom- Museum Ferrara), statt des Lebens-baumes zwischen den zwei Gestalten ein Architektur- Stück, eine Säule, ein-gesetzt, die den Fluß der Handlung auseinander reißt, aber indirekt von dererstaunlichen Zähigkeit beharrender Überlieferungskräfte Zeugnis ablegt.

28) J. Zykan, Neue Funde gotischer Wandmalerei in Niederösterreich( Mittlgn.

d. Ges. f. vergl. Kunstf. in Wien, Bd. 5[ 1952] 52).

29) Spieß, Markst. der Volkskunst, Bd. 2, Tf. 36, Abb. 100.

30) Spieß, Markst., Bd. 2, Tf. 36, Abb. 103.

31) Dazu gehören auch zwei beschädigte Stickereien mit der Einhornjagd( nach 1500) des Nation. Museum in Kopenhagen.

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