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Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
Entstehung
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Matthäus der Adler, Markus der Löwe) als deren Wächter ihren Platzhaben. Neben der abbildenden Kunst, die weiters Maria, die Heiligen unddas himmliche Gefolge, die Engel, umfaßt, wird aber auch der zierendenKunst reichlich Raum gegeben. Die abbildende Kunst hatte am Ausgangeder Antike langsam einen bemerkenswerten Wandel erfahren, indem manvon der naturnahen Wiedergabe immer mehr abrückte und das Abbild,sei es Mensch, Tier, Pflanze oder lebloser Gegenstand, immer mehr verein-fachte, das Wesentliche und Kennzeichnende durch wenige Linien auszu-drücken versuchte. Die Bildkunst und die Zierkunst, vorher scharf voneinander geschieden, rückten nunmehr immer näher an einander heran.Die Ausschmückung des christlichen Gotteshauses durch das Mosaik zogdavon großen Nutzen, Bild- und Zierkunst vereinigten sich zu einer un-trennbaren Einheit und wurden Künder christlichen Geistes mit solcherMacht wie nie mehr später. Die dabei beteiligte Zierkunst verfügte überLeitgestalten, die in größter Verkürzung Kernstücke der christlichen Heils-lehre in ihrer Art zum Ausdrucke brachte. Dazu gehörte das Doppelhenkel-gefäß, aus dem der Weinstock mit weitgezogenen Ranken, Trauben unddaran pickenden Vögeln hervorkommt. So haben sich, um nur ein Beispielzu nennen, an den Wänden von zwei Emporefenstern in S. Vitale in Ra-venna) um 530 Bildkunst und Zierkunst zu einem einheitlichen Schmuck-mantel einziger Art zusammengeschlossen( Tafelbild 1). Mit den Bildern derEvangelisten Matthäus und Markus in felsiger Landschaft ist in der Bogen-füllung jederseits ein Kantharos verbunden, aus dem ein zweistämmigerWeinrankenbaum entspringt. Dazu kommen drei Vögel, von denen einer amRande des Gefäßes sitzt, während die beiden anderen am Boden symmetrischangeordnet sind. Jeder der zwei Stämme strebt, geschieden von dem anderen,in S- Schlingen mit Laub und Trauben nach der Bogenmitte, an der einKreuz, von einem Kreuzringe umgeben, nach dem Vorbilde des vierspeichi-gen Rades als Himmelszeichen steht. Auf der anderen Seite sind in der-selben Weise die Evangelisten Johannes und Lukas und im Bogen dar-über abermals die Weinrankenbäume mit Kantharos und Vögeln wieder-gegeben ²).

Diese Leitgruppe kommt außerhalb eines großen Dekorationssystemesauch selbständig vor, an Ziertafeln, Sarkophagen, Grabsteinen, in Gewebenund im Schmucke. Von 400 an hat sie sich in volkstümlicher Prägung imganzen römischen Reiche, im Osten wie im Westen, in den Weltstädten desSüdens wie in den Provinzen des Nordens, verbreitet.

Wir betrachten die Vorderwand eines Steinsarkophages von Bordeaux ³)( Tafelbild 2). Sie ist dreigeteilt. Das Mittelstück dient dazu, den Toten durchdas umkränzte Labarum, das Monogramm Christi, als Christen zu bezeugen.Die anschließenden Seitenteile sind in der Auszier einander gleich. Aus einemKantharos entspringt ein zweigeteilter Weinrankenbaum mit Blättern undFrüchten, dessen Aufgabe es ist, die Fläche symmetrisch zu füllen. Obensitzen zwei Vögel, die an den Trauben picken. Wir haben eine ausgezeich-nete ornamentale Leistung vor uns, die als Vorlage für Erzeugnisse jeg-lichen Kunsthandwerkes dienen kann, von dem in der Volkskunst geläu-figen Motive kaum noch verschieden.

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1) S. Bettini, Frühchristliche Malerei, Wien 1942, Tf. 72.

2) H. Glück, Die christl. Kunst des Ostens, Berlin 1933, Tf. 22.3) L. v.Sybel, Christl. Antike, Marburg 1902, 2. Bd., Abb. 58.