einem der siebenundvierzig hochgiebeligen Habanerhäusern erinnert alleinein Töpferzeichen an die ehemals berühmte Hafnerei. Die Leute sagen, hiersei die„, Firma"(!) gewesen. Nach dem ersten Weltkrieg schrieb der da-malige Führer der Wiedertäufer in Amerika, Walter, an den Vorsteher inGroß- Schützen und in Sobotischt und lud sie ein, nach Amerika zu kommen.Einige Familien folgten der Einladung, kehrten aber nach einigen Jahren,von Heimweh getrieben, wieder zurück. Ihre Wesensverschiedenheit warschon zu groß, als daß noch eine Gemeinsamkeit mit der Brüdergemeindeempfunden hätte werden können.
Noch um 1800 erklärt Blumenwitz, der Verwalter in Rabensburg, daßdie Slawen mit Ausnahme der Schusterei und Schneiderei keine Neigung zuanderen Handwerken hätten. So finden wir auch früher in den gemischt-sprachigen Orten an der March nur deutsche Schmiede, Wagner, Binder,Fleischhacker, Bäcker usw. Standen in vielen Bauernhäusern noch bis 1840Webstühle, so befaßten sich doch einzelne berufsmäßig mit der Weberei,z. B. in Hohenau im 18. Jahrhundert die Familie Matl 130). Der letzte Weberwar Leopold Horak, der seine Werkstätte im Hof des jetzigen GasthausesEßberger( Kobsik) im Oberort hatte. Er trug noch nach 1900 allwöchentlichsein Leinenzeug nach St. Johann zum Verkauf.
An den Herrschaftssitzen gab es frühzeitig eine Anzahl Handwerker,die nur durch ihre Arbeit für die Bedürfnisse der Herrschaft erklärlichsind. So arbeitete in Rabensburg ein„ Fürstlicher Hofbinder",„ Hofschmied",,, Hofzimmerer", Leinenweber, Messerschmied( 1677), Hafner, Kürschner,Bräuer,( 1697,, Cerevisiarius“) Gärtner, ein„ Vigil pissinarius"( 1730, sovielwie Aufseher über das Fischwasser),„, Claviger principis", den„, Hochfürst-lichen Schlüsselbewahrer" u. a.—
Die Betrachtung alter Handwerkserzeugnisse, vor allem der der Hafner,Zimmerleute und Schmiede, vermittelt uns einen Begriff handwerklicherVolkskunst, der heute wieder gewürdigt und zu heben versucht wird. Manläßt wieder die Schnitzkunst zu Ehren kommen, die früher Zimmertram( Durchzug), Tür und Tor, Truhen, Weinpressen und Werkzeuge so hübschzu verzieren verstand. Die einst weit verbreitete Kunst des Flechtens, diemit Weidenruten( ,, Edergartten"), Stroh, Schilf und Kukuruzblättern Gegen-stände des täglichen Gebrauches und Schmuckstücke verfertigte, lebt wiederauf, man sieht z. B. in Hohenau viele selbstgemachte Körbe, Brotsimperln,Zöger, Taschen, Türdichtungen, Potschen( Pantoffel-) sohlen, u. a.; Sticke-reien, Strickereien, Knüpfarbeiten werden in vollendeter Fertigkeit undSchönheit geschaffen. Ein Schmied( R. Springer) befaßt sich mit alter Schmie-dekunst. Die alte slawische Volkskunst des Kratzens gefärbter Ostereier istleider im Verschwinden, eine einzige Frau beherrscht sie noch. Ebenso istdas Malen hinter Glas, wie die gesamte Malkunst, die bei den habanischenHafnern noch in Blüte stand, vergessen. Die Knopfdrechslerei aus Fluß-muscheln, die früher an der March sehr verbreitet war, ist nach einer kur-zen Belebung nach dem Krieg wieder verschwunden.
Im Volke lebt aber noch der Sinn für alte Handwerksarbeit und dasVerständnis für eine selbsttätige künstlerische Gestaltung. Das bewies u. a.die Heimatausstellung in Hohenau 1951, auf der nicht weniger als fünfund-dreißig Männer und Frauen Erzeugnisse ihres künstlerischen Schaffenszur Schau stellen konnten.
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