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Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
Entstehung
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Heute gehen die Leute zum Arzt, wenn ihnen etwas fehlt, und gebrau-chen nur nebst bei Hausmittel, z. B. Leinöl gegen Geschwulst, verschiedeneKräuter gegen alle möglichen Krankheiten, Hundeschmalz gegen Lungen-sucht u. a. m. In jedem Ort kennt man ein Weiblein, das Wurzeln undKräuter sammelt und damit ein ganz gutes Geschäft macht, da ja die Apo-theker selbst mit der steigenden Anerkennung der Naturheilmittel zu sei-nen Abnehmern gehören. Vereinzelt begegnet man freilich noch dem Glau-ben, daß die Krankheit durch das Wirken böser Mächte entstünde,( wie manallgemein die Krankheitsursache selten in seinen eigenen Fehlern zu sehengeneigt ist), von Hexen herrühre( Hexenschuß!), vom Teufel geschickt sei,und daß dagegen nur Amulette( amulety), Weihrauch und geweihtes Wasserwirksame Mittel seien 113). Man glaubt an die Krankheit wie an etwas Be-wegliches, Lebendiges,( es schlägt sich auf die Brust, wandert in die Füßeu. ä.), das mit bestimmten Mitteln( Alkohol!) ausgetrieben( sa vyhánaju)werden könne. Oft vermutete man den Grund der Schmerzen im schwerenBlut, das durch Blutegel abgezapft werden mußte. Andere Mittel, wie Spinn-weben, Kot und Urin zur Wundbehandlung, Mohnsaft als Schlafmittel fürkleine Kinder u. a. gehören schon der Vergangenheit an. Überhaupt ist mitder wachsenden Wohn- und Lebenshygiene vieles anders geworden. Mitdem Verschwinden der Rauchküchen, der gestampften Fußböden, der Holz-decken, mit der Errichtung von größeren Fenstern, von gesonderten Ab-orten, von geschlossenen Brunnen, mit der Benützung der Seife und derBeobachtung größerer Reinlichkeit bei der Zubereitung der Speisen ist derKreis der Krankheitsursachen stark eingeschränkt; neuestens gelten sogarschon Läuse auf dem Kopf oder Flöhe im Hemd als Schande.

Für eine gesunde Lebensweise wirkt vor allem der Einfluß der Schuleund der Turn- und Sportvereine. Die Einsicht in die Notwendigkeit einesvernünftigen Lebenswandels, der Enthaltung von Nikotin, Alkohol und ge-schlechtlicher Ausschweifung, um sportliche Höchstleistungen erzielen zukönnen, dient als wichtige Grundlage zur Erhaltung und Steigerung derVolksgesundheit. Die Jungen, die den Wert und das Glück der Gesundheiterkannt haben, werden auch nicht durch das böse Beispiel der Alten ver-dorben werden, besonders, wenn sie sehen, wie oft Krankheit, Not undwirtschaftlicher Ruin als Folgen eines leichtsinnigen Lebenswandels ein-

treten.