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Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
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VII. Volkscharakter

Die Vielfalt in der völkischen und rassischen Zusammensetzung derGrenzlandbevölkerung hat zweifellos auf den Volkscharakter seine Wirkungausgeübt. Neben Deutschen und Slawen Slowaken, Kroaten, Tschechen,Polen finden sich vereinzelt Magyaren, Rumänen, Italiener, Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner( Familienname: Cygan, Cyganek) und Juden an der rassischen Zusammen-setzung beteiligt. Daß die verschiedenen Kriegsvölker ihre Andenkenzurückließen, ist mit Bestimmtheit anzunehmen. Oft heißt es noch späterin den Matriken: Pater- deus scit, quis est"( Vater- Gott weiß, wer es ist).Hier läßt die Herkunft verschiedene Vermutungen offen. Nach den Türken-kriegen verirrten sich auch die Türken hierher. So lesen wir in der Rabens-burger Taufmatrik 9/5 1688: Item getaufft wordten ein Türkh mit 24 Jahrennahmens Joes Mathias Mustapha, pater noluit neque mater( Vater undMutter unbekannt)." Oder 6/8 1691: ,, Den dito ist ein Kindt getaufft wordten( de patre est dubium et nescitur= Vater zweifelhaft, unbekannt), matrisMaria Woticzka, eine tauffte Türkhin, die do in Schitzen( Groß- Schützen,Slowakei) taufft ist wordten und nach Rabensburg ist khommen."

Vorherrschend freilich ist das deutschslawisch gemischte Blut, dem dereine oder ander andere Spritzer die eigene, oft nur angedeutete Note gibt.Wir finden die Volkscharaktere der zwei Völker in ihren Vorzügen undFehlern hier vereinigt: deutsche Gründlichkeit und Schwerfälligkeit, dasstarre Pflichtgefühl und die ernste Lebensauffsasung, aufgelockert durchslawischen Leichtmut und heiteren Sinn, deutsches Naturgefühl verbundenmit slawischer Musikalität. Einfalt und Raffinement, Genußfreude undGenußsucht, und als wertvollstes Ergebnis der Mischung Regsamkeit desGeistes und Anpassungsfähigkeit. Die absolut höheren Leistungen derHauptschulen an der Grenze, eine bekannte Tatsache, sind auf diesen Um-stand zurückzuführen.

Aber auch die Eigenart der Landschaft hat auf die Sinne ihrer Bewohnergewirkt und ihr Wesen geformt: Der eigenartige Zauber der Auenwälderim Wechsel der Jahreszeiten, das unermüdliche Strömen der Gewässer, dieverwunschene Welt der stillen Altwasser, die weite Einsamkeit der Wiesen,Heiden und Felder, bekränzt vom blauen Schattenriẞ der Karpaten inOsten, vom grünen Weingebirg im Westen, der hohe Himmel darüber mitden wunderbaren Wolkenbildern, die südlich flimmernde Sternennacht miteiner Luft, die manchmal aus östlichen Steppen den Duft einer anderen,fremden Welt herüberträgt.

Fließen einerseits aus geistigen Quellen die Ströme, die das Wesenformen, so hat auch das materielle Dasein zweifellos dazu beigetragen.Die Fruchtbarkeit des Bodens, der Wein, der Fischreichtum der Flüsse, dazuder gute Verdienst in der Industrie haben einerseits das Selbstbewußtseinder Leute gehoben, andererseits freilich auch zu Wohlleben und Entartunggeführt.

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