VI. Tracht und Kleidung
,, Unter dem Schragen mit irdenem und bunt bemaltem Habanergeschirrsitzt die Großmutter( starenka), zupft mit der einen Hand den Flachs ausdem Rocken und läßt in der anderen die Spindel tanzen. Sie spinnt aberauch Schafwolle zu festen Fäden; in jedem Haus gibt es mehrere Schafe,die täglich auf die Weide getrieben werden. In der Kammer klappert derWebstuhl; der Großvater( stareček) webt ein langes Stück Leinwand, worausdie Mutter die Wäsche schneidert, aber auch die Sommerhosen für Männerund Buben. Das Arbeitsgewand der Deutschen und Slowaken ist ähnlich:im Sommer tragen beide weite Leinenhosen, im Winter anliegende Tuch-hosen in Schaftstiefeln, aber am Sonntag unterscheiden sie sich in der Klei-dung. Der Deutsche hat einen langen Tuchrock mit Schößen und einen hohenHut, wie man es in der Stadt Wien sieht, dazu eine bunte Weste undanliegende lange Hosen. Die Frau hat eine hemdartige Bluse mit langen,gebauschten, am Handgelenk geschlossenen Ärmeln, worüber sich ein engesLeibchen spannt. Der faltige Rock reicht bis zum Boden. Der bartloseSlowake setzt am Sonntag die hohe Pelzmütze auf oder einen Hut mitbunter Schnur. Den Hals umgibt ein Tuch, dessen Enden auf die Brustfallen. Der Rock ist enganliegend und reicht nur bis zu der mit aufgenähtenSchnüren verzierten Hose. Die hohen Stiefel sind ebenfalls verziert und mitQuasten versehen. Im Winter hüllt er sich in den Schafpelz( kožuch). Ambuntesten ist das Festgewand der Slowakin mit den gestärkten weit weg-stehenden Röcken, dem gestickten Leibchen und bunten Tüchern 105)."
Die slowakische Tracht in Niederösterreich war ein Ableger des Typsder Schoßberger Gegend( podlužacky- Typ). Der Einfluß der Wohlhabenheitauf diese Tracht äußerte sich in der Farbenpracht und Vollendung in tech-nischer und künstlerischer Ausstattung. Bartosch 106) hat nachgewiesen,daß die ungarischen Slowaken ihre Tracht zum Großteil von den ehemalsin Österreich sitzenden Kroaten übernommen haben. Zur Festtagstracht derBurschen gehörten rote Hosen mit blauer Schnurstickerei, brokatene Leib-chen( lajbly), reich und bunt bestickt, über weißen, ausgenähten Hemdenmit weiten Ärmeln, langen Halsmaschen, Breithut mit Fransen oder krem-penloser Hut( guláč) mit Feder, hohe Stiefeln aus weichem gefalteten Leder( čizmy) mit Quasten an der Außenseite. Die Männertracht war dunkler undohne Quasten und Feder. Im Sommer trug man wochentags die weite, untenausgefranste Leinenhose, mit Gürtel zusammengehalten, das Hemd über dieHose fallend; in der kalten Jahreszeit entweder den weißen Tuchmantel,die„ Halina", oder den Schafpelz( kožuch) mit der glatten, braun gebeiztenund verzierten Seite nach außen, das Fell nach innen.
Die Mädchen trugen über dem selbstgewebten groben Hemd( rubáč)sechs bis acht gestärkte weite Röcke aus Kanafas, weiße, ausgenähte odergestickte Schürzen( fěrtoch Firta), weiße Blusen mit gebauschten Ärmeln
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( rukávce) und einen mit Lochstickerei verzierten Kragen( obojek), als Kopf-bedeckung die Roschka aus rotem Seidenstoff mit bunten Maschen undTschismy mit Messingeiseln auf den schmalen Absätzen. Die Frauen trugen
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