Die Entstehungsgeschichte der Wallfahrtsorte ist häufig mit dem Gna-denbild verknüpft, das seine Kräfte auf wunderbare Weise kundgetan, oderetwa mit einer heilkräftigen Quelle, einer Marienerscheinung u. dgl. DasAufblühen der Gnadenstätte ging stets in charakteristischer Weise vor sich:An Stelle der ursprünglichen Kapelle errichteten Wohltäter, oft auf Grundeines Verlöbnisses, ein größeres Gotteshaus, das den wachsenden Zustromder Wallfahrer aufnehmen konnte, denken wir nur etwa an die großenBarockkirchen in Maria Dreieichen oder Maria Taferl. Rund um die Kirchestellten Devotionalienhändler ihre Läden auf, nicht weit davon schossenHerbergen und Gasthäuser aus dem Boden, die für Nächtigung und Ver-köstigung der Wallfahrer zu sorgen hatten.
Mariazell wurde zum bekanntesten und berühmtesten Wallfahrtsortdes alten Österreich und ist es auch heute noch. Die Slowaken um Hohenauschlossen sich gewöhnlich einer großen Wallfahrt an, die von Lundenburgkommend von einem Vorbeter aus Kostiz geführt wurde. Die Leute nahmensich Proviant für vierzehn Tage mit, einen Laib Brot, einen Topf mit Käse,Buchteln und Einbrenn zur Bereitung von Suppe. Die Prozession vollzogsich nach einem jahrhunderte alten Plan, der genau die Wege, Rasten, An-dachten, Nächtigungen u. a. bestimmte. Früher wurde die ganze Wallfahrthin und zurück zu Fuß durchgeführt; um die Jahrhundertwende wurde bisWien der Zug benützt, dann ging der Fußmarsch über Lilienfeld nach Maria-zell, von dort nach Maria Taferl und zurück wieder mit dem Zug. DieTeilnehmer an den Wallfahrten zu Fuß waren oft arme Teufel. Mit 10 Kreu-zern wagten sie sich auf die Reise nach Mariazell und brachten sogar nochAndenken mit; wenn nichts anderes, so für die Verwandten ein Bild vomGnadenort mit dem wirksamen Gebet. Wer mehr ausgeben konnte, brachteeinen geweihten Rosenkranz mit oder einen geweihten Krug,( Plutzerzabuk) die, hoch in Ehren gehalten, auf Kind und Kindeskinder vererbtwurden.( Siehe Wallfahrtsandenken im Hohenauer Museum!)
Als Beispiel, wie so eine Wallfahrt vor sich ging, möge eine von Hohenaunach Maria Schoßberg, wie sie bis zum ersten Weltkrieg jedes Jahr zu Pfing-sten üblich war, geschildert werden:
Am Pfingstsonntag nach der Frühmesse wurde vor der Kirche der Zugzusammengestellt: An der Spitze der Kreuzträger, dann die Mädchen, dieFrauen, zwei starke Burschen mit Fahnen, dann die Burschen und zumSchluß die Männer. Der Vorbeter, der die Durchführung der Wallfahrtüber hatte, gab das Zeichen und der Zug setzte sich mit Gesang und Gebetin Bewegung. Bei der Marchbrücke war erster Halt, wo die Fahnen ein-gezogen wurden, um erst beim Rückmarsch wieder an derselben Stelle her-vorgeholt zu werden. Bei der ersten Brücke jenseits der Grenze- manmußte 25 Brücken im Inundationsgebiet bis St. Johann überschreitensammelte der Vorbeter von jedem 1 Kreuzer für die zu lesende Messe inSt. Georg ein, wo man das Hochamt besuchte und, meist aus dem Taschentuch,zu Mittag af. Wenn die gewaltigen Doppeltürme der Kirche von Schoßbergauftauchten, wurden die müden Waller wieder lebendig, ihre Stimmen wie-der lauter. Beim Teich vor dem Ort wurde haltgemacht, man wusch sichund reinigte Schuhe und Kleider vom Staub, die Mädchen wechselten ihreKleider und setzten sich grüne Kränze ins Haar. Dann zog die Prozessionmit Gesang in das mächtige Schiff der Kirche ein. Man stellte sich in Stirn-reihen auf, und auf das Wort des Vorbeters:„ Ježte jednok padájte!( Noch
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