Liebfrau in allen Nöten
Als Schloßhof von den Türken geplündert wurde, drangen die Soldatenauch in die alte Marienkapelle des Schlosses ein und einer warf seinenSpeer nach dem Gnadenbild. Der Speer durchbohrte das Jesuskind, dassogleich zu bluten anfing. Tags darauf hing das Bild an einer Buche imGroissenbrunner Wald, wo ein heilsames Wasser entsprang, das gegenallerlei Augenkrankheiten von Nutzen war. Einmal genas auch durch das,, Wunderbrünndl" eine vornehme Frau, die ließ an dem Ort ein würdigesGotteshaus bauen, das genannt wurde:„ Liebfrau in allen Nöten". Nunkamen aus allen Orten des Marchfeldes und auch weit herauf aus Ungarnfromme Wallfahrer. Das Jesuskind aber, das die Liebfrau auf den Armenhält, blutet noch ab und zu aus seiner Wunde, besonders dann, wenn demLande Unglück droht.( Nr. 52, Schloßhof.)
Kriegsheilige
Räuberisches Gesindel überfiel jahrelang die Grenzbewohner an derMarch während der Feldarbeiten, tötete die Männer und stahl Korn undWein aus Kammern und Kellern, so daß über kurz Not und Hunger imLande herrschten. Es soll aber vorgekommen sein, daß fromme Leute ge-warnt worden sind vor dem Überfall der Räuber. Es erschollen aus diesemund jenem Haus schrille Trompetenstöße, die jedem durch Mark und Beingingen. Man erkannte darin den Warnungsruf des Himmels und brachterechtzeitig sich und seine Habe in Sicherheit. Zum Gedächtnis an die Hilfeder ,, Kriegsheiligen" haben die Bewohner des Marchfeldes noch in den fünf-ziger Jahren( 19. Jahrhundert) Hirtenpfeifen und Schallhörner über ihrenHaustoren befestigt.( Nr. 73, Marchfeld.)
Die ewige Braut
Wer von Marienthal, einem gern besuchten Wallfahrtsorte am Fuße derkleinen Karpaten, durch den finsteren Fichtenwald bergauf geht, kommtzur Ruine Ballenstein. Vor Zeiten hat da ein bewegtes und fröhliches Lebengeherrscht. Ritter mit Harnisch und flatterndem Helmbusch ritten durch diemarmornen Tore und im golddrapierten Saal saß der herzlose Schloßherrbei zügellosem Gelage, und kümmerte sich am wenigsten um das Herzeleidseiner Tochter, der mildtätigen Irmengard. Sie sollte in vier Monaten einemreichen Raubritter vermählt werden, doch hatte sie schon heimlich demGrafen Roland von Marchegg Herz und Hand geschenkt. Nun lagen aberdie Herren von Ballenstein und Marchegg in Fehde miteinander, da jenewiederholt Raubzüge jenseits der March unternommen hatten. Als schondie Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen wurden, sprengte ein Ritter denSchloßweg herauf und begehrte Einlaß, da er Wichtiges dem Schloßherrnmitzuteilen hätte. Seinem Wunsche wurde willfahrt, und der Herr vonBallenstein empfing aus seiner Hand einen goldgestickten Seidenbeutel, derein kostbares Madonnenbild barg. Unter dem Bild stand: Unter deinenSchutz und Schirm fliehen Irmengard von Ballenstein und Roland von March-egg. Wutentbrannt verbesserte der Ballensteiner die Schrift: Unter deinenSchutz und Schirm flieht Irmengard von Ballenstein. Als das Sonnenlichterlischt, ziehen aus den Toren der Feste Marchegg gepanzerte Ritter zumKampf. Ihre Helme und Speere funkeln im Sternenlicht, ihr Ziel ist Ballen-
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