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Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
Entstehung
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lich eine zweite Kette, Katzelsdorf, Alt- und Neulichtenwarth( St. Ulrich),Nieder- Absdorf, Zistersdorf, Gaiselberg, Erdpreß, Spannberg, Obersulz u. a.,meist auf beherrschenden Höhen, den sogenannten Hausbergen.

Aber nicht nur von Osten kam der Feind; auch von Norden fielen desöfteren die Tschechen ein. Dabei kamen sich beide, Ungarn und Böhmen,ins Gehege, sie trugen ihre Rivalität 1260 in der Schlacht bei Groissenbrunn im Marchfeld aus. 1278 verlor der Böhmenkönig Przemysl Ottokarbei Dürnkrut Schlacht und Leben gegen Rudolf von Habsburg. 1402 setztesich Heinrich von Chunstadt, Dürrteufel" geheißen, in Hohenau festund drangsalierte die ganze Umgebung. Darauf hauste der böhmischeSöldnerführer Pankraz von Hollitsch, der, Galizer"( Skalitz) an der March,mit dem die Herren von Idungspeugen gemeinsame Sache machten, hernachLudwenko von Ruckenau, der von befestigten Marchübergängen( z. B. vomJudentabor" bei Jedenspeigen) seine Raubzüge unternahm. Zwischen 1426bis 1428 verwüsteten die Hussiten das Land bis zur Donau hin. 1458erfolgte ein neuer Einfall der Böhmen, der die Dörfer bis Mistelbach ver-nichtete, 1486 ging ein Kriegszug der Ungarn unter Matthias Corvinus überdas Land, der bis 1491 Zistersdorf besetzt hielt. Gegen vierzig Dörfer sinddamals gänzlich zugrunde gegangen; Flurnamen allein künden von ihremehemaligen Vorhandensein.

1605 kamen die Tartaren über die March und verbrannten sechzehn Ort-schaften, 1645 fielen die Schweden ein, wieder gingen viele Orte in Flammenauf. 1683 stehen die Türken vor Wien, Streifscharen brandschatzen dieMarchgegend; 1703-6 kommen die Kuruzzen über den Fluß, brennen, plün-dern, morden, bis das Land ausgeblutet ist. 80% der Bevölkerung sindzugrunde gegangen und müssen durch neue Ansiedler aus Steiermark, Ober-österreich, Bayern, Schwaben und Mähren ersetzt werden. Der Preußen-krieg kam erst an der March zum Stillstand, und 1945 zog noch einmal derKrieg über den Grenzfluß, Ruinen und Menschenleid zurücklassend.

Fast immer wurden die kriegerischen Ereignisse von weiter her imGefolge der Austragung dynastischer und internationaler Gegensätze an dieGrenze getragen; die Beziehungen zwischen Deutschen und Slowaken selbstwaren stets friedlicher Natur. Friedlich wohnte der slowakische Bauer nebendem deutschen. Dieser bevorzugte den slowakischen Knecht und die slowa-kische Dirn wegen ihres Arbeitsfleißes und ihrer Genügsamkeit. Oft kames zu Heiraten zwischen dem Knecht und der einzigen Tochter des Hausesoder der slowakischen Magd mit dem deutschen Bauernsohn die Zu-gewanderten stiegen in die höhere Gesellschaftsklasse auf. Auf beiden Seitenherrschte das Bestreben, die Sprache des anderen verstehen und sprechenzu lernen. Dazu diente der sogenannte ,, Wechsel", der Austausch von Kin-dern zwischen slowakischen und deutschen Familien. So kam ein deutscherBub oft weit hinein in die Slowakei oder nach Mähren in rein slawischeUmgebung, wo er rasch die fremde Sprache erlernte, wo aber zugleich mitdem Verstehen der Sprache das Verständnis und die Verträglichkeit mitdem fremdsprachigen Nachbarn vermittelt wurde.

Volkstumsgrenzen verlaufen, wenn sie ihrer natürlichen Entwicklungüberlassen sind, nie als gerade Schnittlinien, sondern verzahnen und über-schneiden sich in mannigfaltiger Art. Ansiedlung, Einwanderung, Einheirat,Kriege und Seuchen arbeiten ständig an ihrer Veränderung und Verschie-

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