Die Griessäule( der štürzl) besteht aus einer 8,5 cm breiten, im Aufgehenden 86 cmlangen Birkenholzschiene, die ähnlich dem vorigen Beispiel 5.8 mit deutlicher Vorkrüm-mung zur Gänze in die Vordersohle eingestemmt und einfach verdübelt ist. Sie zeigtam oberen Ende leichte Anfasungen, aber kaum schon einen Griffzuschnitt( Abb. 24)und in ihrem Oberteil außerdem fünf Lochungen für einen Sperrnagel, von denenjedenfalls die drei obersten für die aufgesetzte Schraubzwinge( den hebschraufn) ein-gerichtet sind( Abb. 23, Fig. 1, und Abb. 24). Letztere Stellvorrichtung besteht nachälterer Art 150 aus einem 55,5 cm langen, etwa 4,7 cm starken, nach vornezu etwas ab-nehmenden Jochbrettchen, in das hinten eine 30 cm lange hölzerne Schraubspindel mitaufgesetztem, 25 cm langem Quergriff mittels eines Holzgewindes eingeschnitten ist.Das untere Ende der Spindel sitzt auf dem Rücken des Grindels auf und findet dortHalt durch ein aufgenageltes, kleines naturgewachsenes Gabelholz, das wir in ganz ähn-licher Weise auch an der Federarl von Amberg( unser Beispiel 5.4) feststellen konnten.Als örtliche Besonderheit und Abweichung von den übrigen Arln des Nockgebietes müs-sen wir hier wie auch schon bei dem vorigen Beispiel aus Görzberg die eigenartige Vor-krümmung der Griessäule an deren Basis hervorheben, die ich sonst nirgends, vor allemauch nicht in Unterkärnten beobachten konnte. Sie hängt an sich wohl mit der über-mäßig starken Vorneigung der Griessäule aller unserer Arln zusammen; zugleich mitder Steilstellung des Hinterbaumes verleiht sie nicht zuletzt der äußeren Gestalt unseresArltyps das charakteristische Gepräge, das allerdings durch eine stark modifizierte Fein-gliedrigkeit der Einzelteile noch erhöht wird 151. Unser Foto in Abbildung 24 zeigt aller-dings die Arl ohne Radvorgestell( gröt, wagale), der Grindel ist infolgedessen im Ge-gegensatz zu Abb. 23, Fig. 1, zu Boden gefallen und die ganze Spannvorrichtung an derGriessäule ist darum außer Kraft.
Die annähernd 142 cm lange und maximal 11,5 x 9 cm starke Sohle zeigt denüblichen Zuschnitt mit deutlichen Kantenanfasungen. Sie verdünnt sich im Mittelteilgeringfügig und bildet das typisch nach vorne schräg abgeflachte Sohlhaupt, auf dasdas eigentliche Pflughaupt wieder oberseitig mit drei Dübelpaaren und in entsprechen-der Längserstreckung( 50 cm zwischen Schar und Griessäule!) aufgenagelt ist und miteinem Eisenband, das um die Griessäule gelegt ist, an der Oberseite gehalten wird. DieHintersohle ist mit Schelle und Ferseneisen aus einem Stück beschlagen.
Wie schon angedeutet, verdient nun die Zurichtung und Ausgestaltung des eigent-lichen Pflughauptes dieser Arl unsere besondere Aufmerksamkeit. Seiner Konstruktionnach liegt dieses nämlich noch ganz nach Art der Federarln des Nockgebietes vertikalzur Hauptpflugebene und ist auf das Sohlhaupt oberseitig aufgesetzt, nicht etwa andieses seitlich angesetzt. Es besteht jedoch hier nicht mehr aus zwei gleichmäßig star-ken flachen Bretthälften, sondern aus zwei sich zwar nach hinten ähnlich gabelnden,
150 Bei den meisten hier beschriebenen Arln( siehe die Beispiele 6.1 und 6.2 unten) bestehtdiese noch aus einer hölzernen Schraubspindel mit geradem Quergriff, die in einem Holzgewindedes Jochholzes läuft. Erst spät trat an deren Stelle eine eiserne Kurbelwinde mit Gewindefutteraus Eisen auch im Jochholz( siehe Beispiel 6.3 unten).
151 Die fast senkrechte Sterze mit einer Handhabe und die scharf nach vorne geneigteGriessäule hält František Šach bei den böhmisch- mährischen vierseitigen Pflügen für„ ein be-sonders charakteristisches Merkmal der Arlkonstruktion" und für einen„ bedeutenden typologi-schen Zug", der„, mechanisch mit der kürzeren Sohle und mit der beinahe senkrechtenSterze verbunden ist" und bei allen vierseitigen Geräten zu beobachten sei,„ die von derböhmischen Westgrenze östlich bis zum Kaukasus und von dieser Linie nördlich und südlichin allen Gebieten zu finden sind, wo Slawen wohnen oder die von Slawen bewohnt waren."Fr. Šach, Übersicht über die Entwicklung der Bodenbearbeitung in Böhmen und Mähren. In:Getreidebau in Ost- und Mitteleuropa, hrsg. von Iván Balassa, Budapest 1972, S. 383.
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