der Griessäule um 13,5 cm nach unten ab und bildet dann einen Knick, mit dem erzugleich in das schwanzförmige Ende übergeht. Von der einstigen Verkeilung im Ster-zenschlitz sind an diesem Ende deutliche Spuren der Abnützung erkennbar. Am rund-wälzigen Vorderbaum ist etwa 20 cm vor dem Grindelende lediglich unterseitig(!)ein kleines Bohrloch für einen Haltepflock vorhanden, der offenbar als Halt für dieVerbindung mit dem Radvorgestell gedient hat.
Wenn auch nur noch in Bruchstücken erhalten, so erscheint mir dieser Pflugfundvom Jahre 1970 aus Amberg unmittelbar von einem der ältesten Ringhöfe als ein be-sonders wichtiger Beleg für diese Pfluglandschaft, zumindest solange nicht weitere, ihrerHerkunft nach genau und eindeutig festzulegende Arln aus diesem südlichen Randge-biet erfaßt und aufgenommen werden können. Zwei Geräte dieser Arltype befindensich zwar im Bezirksheimatmuseum Spittal( Nr. 28 und 33), doch sind die Herkunfts-angaben zu unsicher und schwankend; eine Federarl wurde dort 1968 mit einem Vor-karren anscheinend anderer Herkunft gezeigt, ein sehr altes und in Holz und Patinastark nachgedunkeltes Gerät mit Stellschraube auf der Griessäule; dieses soll nach dor-tiger Anschreibung ebenfalls vom vulgo Hofer in St. Oswald ob Kleinkirchheim stam-men, was mir jedoch nicht ganz sicher erscheint( Nr. 28). Sein Grindel ist ein völlig ge-streckt- gerader und sehr langer Baum, dessen Zuschnitt für St. Oswald jedenfalls eineAusnahme wäre. Das zweite Gerät( Nr. 33) soll nach den Angaben des Museumsfüh-rers vom Insberg ob Ferndorf stammen( Abb. 18) und ist dem Typus nach mit Streich-federn, umsteckbarer Griessäule und ganz leicht geschwungenem Grindel bei etwaskräftiger ausgebildeten Einzelteilen, so besonders der etwas abweichenden Sterze, nocham ehesten in den hier behandelten Formenkreis der Arl Innerkärntens und des Nock-gebietes einzubeziehen 147.
5.5 Federarl( årl) aus Sauereggen, Gemeinde Reichenau( Nr. 51); jetzt im Kärnt-ner Freilichtmuseum Maria Saal( Inv.-Nr. V 9236) erworben im Jahre 1969 beimvulgo Hochsiner Nr. 1 durch den Verfasser, aufgenommen und vermessen im August1969( Abb. 19).
-
Im Juli und August 1969 konnte ich mit meinem damaligen Mitarbeiter Dr. Vol-ker Hänsel bei diesem höchstgelegenen Bergbauernhof Kärntens mehrere, aber nichtdurchwegs komplette Ackergeräte für die Volkskundliche Abteilung des Kärntner Lan-desmuseums in Klagenfurt erwerben( vgl. Nr. 11, 12 und 47 bis 52). Unter diesen be-fand sich auch die nachfolgend beschriebene Arl( Nr. 51) mit dem vermutlich dafür ver-wendeten und anschließend näher beschriebenen Radvorgestell oder„ Gröt“( Nr. 50).Diese Arl war die einzige von drei in ihrer Größe ziemlich verschiedenen, in derForm jedoch sehr ähnlichen Pfluggeräten und wie unsere maßstäbliche Zeichnung inAbbildung 19 zeigt wieder völlig typischen Federarln, die einigermaßen vollstän-dig erhalten geblieben ist. Sie muß jedoch nach den entsprechenden Vorrichtungen amGrindel schon von Haus aus mit einem Sechmesser ausgerüstet gewesen sein, das nun-mehr jedoch fehlt. Es ist ein verhältnismäßig großes und schweres Pfluggerät, dessenlanggestreckter Bau mit steilem Hinterbaum und stark vorgeneigtem„ Stürzl", derGriessäule, besonders in die Augen springt. Nach ihrem heutigen Erhaltungszustanddürfte diese Arl etwa zu Beginn unseres Jahrhunderts, und zwar sicher von einschlägi-gen Berufshandwerkern(, Rader' und Schmied) hergestellt worden sein.
-
Auch hier ist die schlanke Hintersäule der Sterze( habl) gekrümmt und mit einemGriffnagel bzw. Endknauf ausgestattet. Sie ist unten 7 × 8 cm stark und sitzt mit einemBlattzapfen und Dübel in der Hintersohle und wird zugleich von einer Schelle mit Zun-
147 Helmut Prasch, Der alpine Mensch..., Spittal 1970, S. 5.
57