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Riß und Arl im Kärntner Nockgebiet : ein Beitrag zur Topographie der altständigen Pfluggeräte in den südlichen Ostalpen
Entstehung
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zurückgestellt und einer eigenen Arbeit vorbehalten, und zwar aus zwei verschiede-nen Gründen: Zunächst sollte dadurch die rezente Sachüberlieferung, soweit diese nochfaßbar erscheint, entsprechend eindeutig und unmiẞverständlich herausgestellt undzugänglich gemacht werden, d. h. die bereits bei Oswin Moro schwerpunktmäßig wiebei Karl R hamm und später bei Boris Orel geschaffene Betrachtungsebene sollte hiervorerst nicht durchbrochen und um eine so wichtige und komplizierte Dimension er-weitert werden, wie es jede pfluggeschichtliche und nach anderen historischen Quellenausgerichtete Projektion zwangsläufig sein muß 37. Zum zweiten aber liegt für diesehistorische Stratigraphie bereits jetzt ein so umfangreiches Quellenmaterial vor, ohnedaß dessen völlige Aufarbeitung von uns auch schon abgeschlossen hätte werden kön-nen, daß sich diese Zweiteilung unseres Vorgehens auch von daher als notwendig er-weist.

Der Sachbefund und ausgewählte Beispiele

Die Grundlage für die vorliegende Darstellung bildet die Gesamtheit der uns er-reichbar, zugänglich oder bekannt gewordenen Sachzeugen für Riß und Arl im Kärnt-ner Nockgebiet, seien dies nun vollständig erhaltene Geräte, seien es Teile von sol-chen oder auch nur Bruchstücke und Reste bzw. Nachrichten und Abbildungen da-von. Das ergibt für unseren Bereich mithin über siebzig Einzelbelege. Zur besserenÜbersicht und fallweisen Heranziehung haben wir diese erfaßten Geräte von Westnach Ost mit fortlaufender Nummer durchgezählt und, in einer Liste zusammengefaßt,in den Anhang dieser Arbeit gestellt. Fortgelassen wurden dabei unter Bedacht auf dieeigentliche Zielsetzung dieser Untersuchung die Belege für den Pflug" 38, der hier ganzdeutlich erst eine nachgeordnete Rolle spielt. Anders als etwa in Schweden, wo sichnach Ragnar Jirlow Ard und Pflug im Laufe von Jahrhunderten einander im Typusgenähert" haben 39, gewann der Pflug in den Berggebieten Kärntens gegenüber derArl erst so spät an Boden, und zwar namentlich in der angepaßten Form des wesent-lich schwereren Winkeldreh- Kehrpfluges mit zwei Pflugkörpern als sogenannter Dop-pelpflug" oder Wechselpflug", daß hiebei eine direkte gegenseitige Beeinflussung prak-tisch nicht mehr möglich war.

37 Über Quellen und Methodik der Pflugforschung vgl. Paul Leser, Entstehung undVerbreitung des Pfluges, Münster i. W. 1931, S. 26-28; Ulrich Bentzien, Haken undPflug, Berlin 1969, S. 8-23; Hanns Koren, Pflug und Arl, S. 10 f. Koren sucht danach"... ein allgemeines Bild des Aussehens und der Verbreitung der in der Steiermark beheima-teten volkstümlichen Ackerbaugeräte zu gewinnen", um daraus dann diese steirischen"... Ge-rätetypen in ihrem Wesen und ihrer grob umrissenen Verbreitung oder Überschichtung zu er-kennen. Für jedes einzelne dieser Geräte bohren wir sodann, soweit es auf steirischem Bodenmöglich ist, in die Vergangenheit zurück, um im Vergleich mit seiner heutigen Gestalt undVerbreitung sein Wesen zu ergründen, vor allem aber aus seiner Wanderung wenigstens in dieRichtung seiner Herkunft gewiesen zu werden."

38 Siehe Anm. 23.

39 Ragnar Jirlow, Die Geschichte des schwedischen Pfluges(= Nordiska MuseetsHandlingar 72), Stockholm 1970, S. 9-11, stellt z. B. fest: Da der Pflug das dominierendeGerät war, wurden Ard und Riss oft nach ihm als Muster ausgeformt, dies wäre eine ArtKonvergenz. Funktionell blieben die drei Geräte getrennt"( S. 11). Ähnliches berichtet IvánBalassa, Die Haupttypen der Holzpflüge in Ungarn im 18. und 19. Jahrhundert. In: Ge-treidebau in Ost- und Mitteleuropa, hrsg. v. Iván Balassa, Budapest 1972, S. 457, vom Haken-pflug( Sohlhaken) der Karpatenländer: Der Kehrpflug entwickelte sich in Siebenbürgen, aberauch anderswo, in Richtung der Beetpflüge mit fixem Streichbrett, obwohl gewisse eigenartigeZüge davon auch weiterhin bewahrt wurden."

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