Druckschrift 
Masken in Mitteleuropa : volkskundliche Beiträge zur europäischen Maskenforschung ; anläßlich des sechzigjährigen Bestehens des Vereines für Volkskunde in Wien
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

Nachtrag

Zur sogenannten Tonmaske von Ossarn

Von Leopold Schmidt

Heinrich L. Werneck gibt in seinem soeben erschienenen Buch,, Grundlagen zur Frühgeschichte zwischen Dunkelsteiner Waldund Unterlauf der Großen Tulln( Niederösterreich V. O. W. W.)Zeit von 16 v. Chr. bis 955 n. Chr."( Herzogenburg, Verlag derStadtgemeinde, 1955) auf S. 76 folgende Nachricht über einenBodenfund, der der karolingischen Zeit zugewiesen wird:,, 2. Ossarn/ Traisen, Tonmaske eines Mannes; Belegstück gezeigtvon Sr. Hochw. Herrn Prälat Georg Hahnl in der StiftssammlungHerzogenburg 1951." Wie die meisten der wertvollen Hinweisedieses stoffreichen Buches ist also auch dieser recht knapp ge-halten. Da er auf die Spur eines Tonmaskenfundes zu weisenschien, versuchte ich ihm nach Abschluß meiner im vorliegendenBand veröffentlichten Zusammenstellung der österreichischen Ton-maskenfunde( oben S. 32 ff.) nachzugehen. Se. Gnaden Prälat GeorgHahnl, Propst des Chorherrenstiftes Herzogenburg, hatte diegroße Liebenswürdigkeit, mir folgende Mitteilung über den Fundzugehen zu lassen:, Wie aus mitfolgendem Lichtbild[ einer Sam-melaufnahme verschiedener Funde] ersichtlich, handelt es sich umdie Kopie eines Tonfragmentes, das wenn ich mich recht er-innere, noch zu Dr.[ Josef] Bayers Zeiten bei der, Walch" amOssarner Werkbach gefunden wurde. Die Kopie verehrte mir vorJahren Dr.[ Eduard] Beninger noch als Direktor der Prähistori-schen Abteilung im Naturhistorischen Museum... Das Originalmüßte noch in der Prähistorischen Abteilung erliegen. Die Be-stimmung als karolingisch dürfte vermutlich noch von Dr. Bayerstammen. Bei dem Fund soll es sich um ein zerstörtes Grab han-deln. Vielleicht findet sich in Dr. Bayers Aufschreibungen einAnhaltspunkt... Glaube aber kaum, daß es eine Maske im volks-kundlichen Sinn ist. Eher ist es eine Verzierung von einem Ton-Trinkgefäß. Diesem Brief vom 14. November 1955 war freund-licherweise die in ihm erwähnte Sammelaufnahme mehrererFunde beigegeben, bei denen auch die Kopie der sogenanntenTonmaske liegt.

Die Nachfrage in der Prähistorischen Abteilung des Natur-historischen Museums hat bisher leider zu keinem Ergebnis ge-

236