lebenden Maskenbräuche sein kann. Namentlich gilt das für dieHolzkleider und Teufelskleider, die tatsächlich viele Ähnlich-keiten mit volkstümlichen Masken haben, die erst über zwei Jahr-hunderte später belegt sind. Diese Masken stammen im Schem-bartlauf aus der höfischen Welt und aus der reichen Menagerieverschiedenster und verschiedenes Gebrüll ausstoßender Teufelin den Mysterienspielen.
Es sind jedoch durchaus nicht alle der späteren volkstüm-lichen Masken im Schembartlauf vertreten. Es fehlen, um einBeispiel zu nennen, die beiden gegensätzlichen Paare alpenländi-scher Bräuche.( Im Imster Schemenlauf: Roller und weiblicherScheller sowie mit Geschlechtswechsel Lagge Scheller und weib-licher Lagge Roller. Im Pongau: schöne Tafelpercht mit weib-licher Gesponsin und schiache Percht mit weiblicher Gesponsin.)
Die schon durch althochdeutsche Glossen belegten Holzleutehaben sich in Nürnberg, nicht ohne höfischen Einfluß, in eine Viel-falt von modischen Masken verwandelt. Diese interessante Ent-wicklung zu einem städtischen Karnevalstreiben wird durch denverbitterten Ernst der Zeit zerschlagen. Allerdings ist nur dieserKatastrophe die Überlieferung in zahlreichen Handschriften zuverdanken. Die Träger der Entwicklung wollten nun wenigstensim Bild besitzen, was nicht mehr Wirklichkeit werden durfte.
Auszug aus dem neuen Wiener Schembartbuch( National-bibliothek Ser. nova 2977).
Im folgenden wird ein Auszug aus dem von Brüggemann noch nichtaufgenommenen Schembartbuch der Nationalbibliothek in Wien Ser.nova 2977 aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts gegeben. Das Buch wurde1947 von Rudolf Gutmann, zusammen mit einem bis 1725 geführtenNürnberger Geschlechterbuch( Ser. nova 2979) gespendet. Es ist in Per-gament mit Goldpressung gebunden und in ein Blatt aus einem Missaledes XIV. Jahrhunderts eingeschlagen. Es zählt 131 Blatt und ein Vorsatz-blatt, in der Größe von 36 X 23,5 cm. Zusätze von späterer Hand sind ineckigen klammern angegeben. In den Noten zu jedem Jahr sind zu-nächst Abweichungen in den beiden anderen Wiener Schembartbüchernbeigefügt. Es sind dies die folgenden:
J3( nach Brüggemanns Bezeichnung) 27). Ser. nova 12757( olimFideikommiß 9577). Nürnberger Schembartbuch. Ein Buch dieser Gruppewurde von Drescher in Faksimile herausgegeben 28).
G3( nach Brüggemanns Bezeichnung). Ser. nova 12756( olim Fidei-kommiẞ 9457). Nürnberger Turnier- und Schembartbuch. Das Buch ent-hält ein Verzeichnis der Wappen der Nürnberger ratsfähigen Ge-schlechter. Aus dem das Schembartlaufen anhangsweise behandelndenTeil fehlen sehr viele Blätter. Die nicht illuminierten Zeichnungen sindgewandter gezeichnet als in den meisten Schembartbüchern, aber doch
27) Brüggemann 1930.
28) Drescher 1908.
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