Das Nürnberger Schembartlaufen
Eine neu aufgefundene Handschrift
Von Karl Anton Nowotny
Die Nürnberger Schembartbücher haben ihr Vorbild inhöfischen Turnierbüchern; gelegentlich sind sie Nürnberger Tur-nierbüchern beigebunden ¹). Die ungewöhnliche Buntheit desInhaltes sicherte ihnen große Beliebtheit, so daß über fünfzigHandschriften erhalten geblieben sind 2); die Einzelblätter wurdennoch nicht zusammengestellt. Maximilian I. zog bei Anlage des,, Freydal" zunächst den Schneider heran ³), der jene Mummereien,die ein Viertel der Bilder ausmachen, am besten kannte. Derübrige Teil des Freydal ist verschiedenen Arten des Turniersgewidmet. Auch die wichtigste Bilderfolge der Nürnberger Schem-bartbücher ist eine Art Modealbum von 1449 bis 1539.
Im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts ist kaumein größeres kulturgeschichtliches Werk ohne Farbentafel nacheinem Schembartbuch erschienen. Das Interesse an den Schembart-büchern war eigentlich nie erloschen. Sie wurden im XVIII. Jahr-hundert noch kopiert und bereits im selben Jahrhundert wurdeein Schembartbuch von Will mittels Kupferstichen heraus-gegeben 4). Eine handkolorierte Faksimileausgabe erschien 1908 5);leider wurde dazu eine sehr schlechte Handschrift ausgewählt.
Die Schembartbücher sind nicht leicht verständlich, weil siebei ihren Betrachtern die genaue Kenntnis des Brauches voraus-setzen. In der Gegenwart hat zweifellos die Verlockung, den
1) Z. B. Nationalbibliothek Wien Ser. nova 12756( Brüggemann1930, G 3). Das Anlegen von Schembartbüchern ist der besonderenadeligen Ambition des Nürnberger Patriziates zu verdanken.„ Hett ichder von Nürmberg ubermut"( Euling 1887, Nr. 48).
2) Brüggemann 1930. B. unterscheidet die Handschriftengruppen A,B, C, D, E, F, G, H, J, K, L, M, N und W. Leider ist seine AachenerHabilitationsschrift von 1918„ Die Schembartläufer von Nürnberg" nichtim Druck erschienen, so daß diese Einteilung nochmals geleistet werdenmuß, falls nicht doch noch eine Veröffentlichung erfolgt.
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3) Gedenkbuch von 1502( Garber 1922, Anm. 118).
4) Will 1761. Will 1762. Will 1765.
5) Drescher 1908.