Perchtenlaufen ist für das Berchtesgadner Land bald nach 1600 11⁹),das Jagen der Percht für Diessen 1583 bezeugt 120), die Klöpfel-nachtbräuche sind weit zurück nachweisbar 121), desgleichenBräuche um Nikolaus, aber wir besitzen, wenigstens vorerstwenige Nachrichten, die auf Einzelnes eingehen. Mit den Grün-und Dürrmasken der Frühlings- und Sommerzeit steht es kaumbesser, wiewohl ältere Belege über den Streit des Winters mitdem Sommer 122) oder die Pfingstgestalten 123) vorliegen. Für denSonntag Lätare bezugt Sebastian Franck 1534„ ein stroinnenangemachten Butzen in Hosen und Wames mit einer Larven wieein toten Mann" 124). Im Brauchkalender des Kirchenjahrs er-scheint verschiedentlich eine Teufelsfigur an Christi Himmelfahrt.Für München erwähnt den mit ihr verbundenen Brauch 1556 kurzHans Sachs 125):„ Als nun der auffahrt abent kam herwider,/ Dieschueler aus gewonheit nun/ Jagen dewffel in der stat auf vndnider. In ainem claid zotet vnd rawch/ Ir vil klaidt wie diedrüeten im nach lauffen Mit gabel, offen krueckn awch,/ Pannden dewffel den in die misthauffen..." Das Teufelskleid wurdedanach mit Heu und Stroh ausgestopft und über Nacht an einemTurm der Frauenkirche ausgehängt. Die hier genannten„ Dru-den" waren wohl Hexenmasken.
Masken in Schauspiel und Prozession des 16. Jahrhunderts
Über den Gebrauch von Gesichtsmasken im geistlichen Bür-gerspiel des Mittelalters ist, auch wenn man sich räumlich weitumsieht, auffallend wenig bekannt 126). Passionsspiele dieser
119) Rudolf Kriss, Sitte und Brauch im Berchtesgadner Land.München- Pasing 1947, S. 43 f.
120) Hans Moser, Geschichte altbayerischer Festbräuche( s. Anm.92, S. 176).121) Der s., Zur Geschichte der Klöpfelnachtbräuche, ihrer Formenund ihrer Deutungen.( Bayer. Jahrbuch f. Volkskunde 1951, S. 121 ff.)122) Ders., Zur Geschichte des Winter- und Sommerkampfspiels.( Bayerischer Heimatschutz, Jg. 29, 1933, S. 33 ff.)
123) Ders., Der Santrigl.( Bayer. Jahrbuch f. Volkskunde 1952,S. 95 ff.)
124) Sebastian Franck, Weltbuch, 1534.
125) Siehe Ludwig Rosenberger, Die Frauenkirche. Ein Münch-ner Lesebuch. München 1947, S. 94 f.
126) Spielmasken aus Sterzing von 1469 erwähnt Anton Dörrer( Bayer. Jahrbuch f. Volkskunde 1951, S. 110), von Hall 1511, von Wien1504 und später Leopold Schmidt, Wiener Maskenwesen, S. 5 f., vonDresden 1504 Max v. Boehn, Das Bühnenkostüm. Berlin 1921, S.168,von Wittenberg bzw. Jüterbog 1501 und 1502 K. E. Förstemann,Neue Mitteilungen, Bd. 2, Halle 1835, S. 647 f.
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