periode fast allein gültige Art der Verführungsszene, daß sicheine Schlange um einen stilisierten Baum windet. Sie hat imMaule jenen Apfel, den( in der Simultanwiedergabe des bibli-schen Handlungsablaufes) Eva zum Munde führt und Adamweitergibt, der ebenfalls schon von ihm abbeißt. So z. B. in denberühmten Fresken in der Westempore des Domes zu Gurk( vierParadiesesströme, irdisches Paradies; um 1220 80) bzw. in denspäteren Wandbildern der Vorhalle von Gurk( urkundlich zwi-schen 1339 und 1343) 81).
Noch ins 12. Jahrhundert reicht im Raume der Südostalpendas romanische Fresko der Eva- Verführung auf dem Gewölbe desUnterchores in der Filialkirche St. Nikolaus zu Matrei in Ost-tirol zurück 32), indes die Sündenfallfresken am Karner zuPisweg in Kärnten dem späteren 13. Jahrhundert zugehörenund in Stellung und Gebärde offenkundig vom nahen GurkerDom übernommen sind( Schlange um den Baum geringelt; keinweiterer Teufel) 33).
Die ikonographische Besonderung, die Schlange alsWeib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib zu bilden, so z. B. dadurch, daß man ihrem Schlangenleibeinen Menschenkopf aufsetzt, ist nun ebenfalls seit manchen früh-mittelalterlichen Bildern geläufig. Sie erfährt später vor allem imSpielmaskenbrauch eine besondere Ausweitung, Selbst-verständlich können wir auch hier nur von der Bibelauslegungausgehen. Die vorchristlichen Ansichten über die Schlange alschthonisches Tier, über Zeus Ktesios als Hausschlange usw. fallenebenso außerhalb unseres Rahmens wie der Glaube an dieSchlangen als Verkörperungen der Totenseelen.
Eine der schönsten Darstellungen der Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib- Schlange findetsich in den gotischen Sockelplastiken an der Kathedrale zu NotreDame in Paris. Zwischen die Gestalten der Ureltern schiebt
30) K. Ginhart B. Grimschitz, Der Dom zu Gurk, Wien1930, Tafel 75%; Detailaufnahme Tafel 78. Dazu: W. Frodl, Dieromanische Wandmalerei in Kärnten, 2. Aufl. Klagenfurt 1944, S. 55und Detailaufnahme( Schlangenkopf und Eva) in Farben auf Tafel XII.
31) K. Ginhart B. Grimschitz, Der Dom zu Gurk,Tafel 103. W. Frod 1, Die gotische Wandmalerei in Kärnten, Klagenfurt1948, S. 154.
32) W. Frodl, Die gotische Wandmalerei, S. 47( Abb.); dazu S. 32 f.( allgemeine Beschreibung).
33) W. Frodl, Die gotische Wandmalerei, S. 69( Abb.); dazuText S. 48.
86