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Masken in Mitteleuropa : volkskundliche Beiträge zur europäischen Maskenforschung ; anläßlich des sechzigjährigen Bestehens des Vereines für Volkskunde in Wien
Entstehung
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rung. Allerdings wissen wir auch da weder Ort noch Zeit 18). Esliegt nahe, an eine obersteirische Aufführung zu denken. DieDarsteller der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit( ganz linksim Bilde) sind hier von einem tiergestaltigen( Schweinsrüssel 19)und einem geschwänzten Teufel flankiert, den man aber vermut-lich als Schlangenteufel" wird ansprechen können.

Da sich das Volksschauspiel im Mürztale bis wenige Jahre vorAusbruch des zweiten Weltkrieges fast kontinuierlich gehaltenhat, das heißt mit nur einigen kürzeren Unterbrechungen desSpielbrauches, die aber stets durch das noch lebendig weiter ge-tragene Wissen von älteren Spielern überbrückt wurden, die dieTradition wieder aufnahmen und den jüngeren weitergaben 20),so läßt sich aus den Berichten der letzten Mürztaler Paradeis-spieler noch heute in Erfahrung bringen, daß sich bei den Auf-führungen tatsächlich ein Sonderteufel in Schlangenkostüm befand.Einer der Mitspieler der Dreißigerjahre, der Bauer Franz Scheikl,vulgo Lärcherbauer, in Kindtalgraben bei Kindberg beschrieb mirim September 1954 21) diesen Schlangenteufel. Demnach wartet der,, Schlangenteufel" nur auf jene Stelle im epischen Begleitgesangder Gottheit"( Gottvater, Gottsohn und Heiliger Geist, die inder Spielstube sitzend den biblischen Bericht singen, ehe er vonden anderen Spielern agiert" wird), wo es heißt: Es kommtherein ins Paradeis Der Teufel in der Schlangen Weis""

18) Die Annahme Haberlandts, daß es sich nach den daraufdargestellten, übrigens kaum erkennbaren Trachten um ein Spiel zuMiesenbach, NO,, oder unweit davon in Scheuchenstein" handle, er-scheint uns als bloße Vermutung. Das Blatt könnte genau so gut voneiner Steiermarkfahrt stammen, da der Künstler doch dem Kreise umErzherzog Johann angehörte.

19) Ein Schweinsrüssel als Kopfmaske des Teufels kehrt wiederholtauf mittelalterlichen Fresken mit Teufelsdarstellungen, die oft zurSpieltradition in enger Beziehung stehen( Weltgerichtsfresken, Höllen-rachen, Teufelsseil) wieder. Sie fehlen auch im gegenwärtigen Volks-schauspiel nicht. So z. B. im Kärntner Passionsspiel, wo unter vierTeufelsspielern einer einen Widderkopf, einer einen Hahnenschädel,ein dritter einen Bockskopf und der vierte einen Schweinsrüssel trägt.Vgl. G. Graber, Das Kärntner Spiel vom Leiden und Sterben Christi.( Deutsche Hausbücherei, Band 82), Wien 1923, S. 20. Im Steirischen istvor allem der Name Saubartl" geblieben, der heute wohl nur einenunreinen Menschen bezeichnet, aber auch dem Erzähler zotiger Witzegilt, wie er ehedem den die Geilheit darstellenden Unzuchtsteufelbezeichnete.

20) L. Kretzenbacher, Die Steiermark in der Volksschauspiel-landschaft Innerösterreich, S. 174 ff.

21) Franz Schei kl, vulgo Lärcherbauer, Kindtalgraben bei Kind-berg im Mürztale. Tonband von der Aufnahme steirischer Dialektedurch die Akademie der Wissenschaften in Wien, Phonogramm- Archiv.Aufnahme September 1954.

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