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Masken in Mitteleuropa : volkskundliche Beiträge zur europäischen Maskenforschung ; anläßlich des sechzigjährigen Bestehens des Vereines für Volkskunde in Wien
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Schlangenteufel und Satan im Paradeisspiel

Zur Kulturgeschichte der Teufelsmasken im Volksschauspiele

Von Leopold Kretzenbacher

Ich komm herein in das ParadeisGeschlichen in einer Schlangen Weis".

Mehr und mehr entwickelt sich die Maskenforschung zueinem Sondergebiete innerhalb der kulturhistorischen Volks-kunde. Der reiche Bestand an historischen und gegenwärtig nochfortlebenden oder sich neu bildenden Maskenbräuchen in Europaumfaßt nur eine Gruppe innerhalb der über die ganze Erde ver-streuten Maskenformen des religiösen Ritus, der volksglaubens-mäßigen Magie oder der ihres kultischen Sinnes entleerten Maske-raden in den verschiedenen Maskenperioden des Jahrlaufes. Zuihnen gehören auch die Masken im kultischen Ritual, im reli-giösen Drama und nach mannigfachem Sinnwandel auchjegliche Art der Theatermaske bis heute.

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Sehen wir von den religiösen Weihespielen ab, wie sie zubestimmten Anlässen( Kirchengründungen, Reliquienübertra-gungen, Jubiläen usw.) meist an historischen Stätten, an Wall-fahrtsorten etwa, als Barockerbe fortleben oder neu sich bildeten,so hat innerhalb des christlichen Glaubensbereiches allein dasgeistliche Volksschauspiel in allen Formen, als Umzugs-, alsStuben und als Großspiel den Lebenszusammenhang zwischenSpiel und Brauch bewahrt, mithin auch der Maske ihre alteFunktion im Kulte belassen.

So vermag denn auch das geistliche Volksschauspiel in seinerStellung zwischen Liturgie und Brauch heute noch manches auchüber das Wesen der Maske auszusagen, wie es in seiner Ge-samtheit einen eigenartigen Sonderzweig der Volkskultur dar-stellt, um den sich Literaturgeschichte, Volkskunde, Theater-wissenschaft und Religionspsychologie in gleicher Weise bemühenmüssen. Dieses geistliche Volksschauspiel hat sich in der Formdes bühnen- und vorhanglosen Spiels in der Wohnraummitte( Stubenspiel) vor allem in den ostalpinen Ländern erhalten. Esgehört zumal in den Ländern Steiermark und Kärnten zum leben-digen Erbe der Volkskultur bis auf unsere Tage. So kann auch

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