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Masken in Mitteleuropa : volkskundliche Beiträge zur europäischen Maskenforschung ; anläßlich des sechzigjährigen Bestehens des Vereines für Volkskunde in Wien
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anderen Masken, doch scheint sie ihnen verwandt. Den stärkstenEindruck machen selbstverständlich die Nummern 1607, 1612 und1613 mit den Eidechsen auf der Nase. Es handelt sich dabei umdie gleiche Erscheinung wie bei den Inntaler Masken mit denangeschnitzten Kröten usw., die Franz Ziska schon vor 140 Jahrenfeststellen konnte 265). Ein dazupassendes Stück hat ja HildeEmmel in der Maskensammlung des Germanischen Museums inNürnberg identifizieren können 266). Die Oberlienzer Maskensind in der Faktur härter, kantiger als die in Nürnberg befindlicheMaske, die offenbar eine von einem berufsmäßigen Schnitzer ge-schaffene Arbeit ist, von einem glatten Naturalismus, der weitmehr groteske als dämonische Wirkungen anstrebte. Hilde Emmelhat die Maske für besonders altertümlich gehalten, was sie wohlnicht ist. Die hart und laienmäßig geschnittenen OberlienzerMasken sind bei weitem altertümlicher. Man wird sie nicht wieDörrer für angeblich echte Berchtenmasken" 267), sondern fürsehr gute und durchaus echte Stücke ansehen dürfen, die außer-gewöhnlich aufschlußreich sind. Lokale Weiterforschung wäre hierdringend geboten.

Von den anderen im Lienzer Museum befindlichen Maskenläßt sich, da es sich jeweils um Einzelstücke handelt, noch nichtsehr viel aussagen. Nr. 1200(= LL 32) ist eine aus einemWurzelknollen adaptierte Teufelsmaske, zwei eingesteckte kurzegerade Aststücke vertreten die Hörner, die Augenränder sindrot gehalten, sonst wiegt ein Schwarzbraun vor. Im Inneren istdie große schwere Maske mit einem Stirnleinen ausgepolstert undmit einem Tragriemen versehen. Die letzte Maske der Sammlung,Nr. 1613(-LL 33) ist eine ungefaßte kleine Maske eines lächeln-den Männergesichtes mit tiefen Mundwinkelgrübchen, die sogardie Maskenwand durchbohren. Vielleicht war das eine Schön-perchtenmaske, wie sie für Oberdrum vorauszusetzen ist, dasstarre Lächeln erinnert etwa an die glatten Masken der Schellen-schlager von Matrei am Brenner.

6. Vorarlberg

Über die historischen Notizen zum Maskenwesen, die Bene-dikt Bilgeri nachweisen konnte, wurde schon gesprochen. Das

265) Wilhelm Hein, Das Huttlerlaufen( Zeitschrift des Vereins fürVolkskunde, Bd. IX, Berlin 1899, S. 111, Anm. 1).

266) Hilde Emmel, Masken in volkstümlichen deutschen Spielen.S. 67 f. und Abb. 14.

267) Dörrer, Tiroler Fasnacht, S. 181.

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